Hundszunge, Storchenschnabel und Wolfsmilch

Auf meinen Spaziergängen komme ich oft an einer Wiese vorbei, die ein wahres Kräuterwunder ist: Ein Nachbar kaufte sie vor zwanzig Jahren, um dort eine Wildblumenwiese anzulegen. Über dieses kleine Paradies hinwegzulaufen, ist, als würde man durch ein begehbares Pflanzenlehrbuch laufen.

Alles wächst hier, was das Herz sich wünscht: Küchenschelle und Himmelschlüssel, Hundszunge und Wolfsmilch, verschiedene Storchenschnäbel, aber auch Schafgarbe, Buntnesseln und Wiesensalbei. Ein paar Rehe und Hasen haben sich einen kleinen Wildwechsel durch die Gräser getrampelt, ansonsten liegt der schmale Streifen erstaunlich unberührt zwischen einer Pferdeweide und einen Kartoffelacker.

Im Winter haben Männer ihren kleinen grünen Bauwagen auf die Wiese gestellt und erstmal an der schön gewachsenen Eiche, die als perfekter Kletterbaum am Rande des Fleckens steht, herumgesägt, damit der Wagen drunterpasst. Dann gruben sie ein paar Kieferschößlinge ein, damit ihre Mutti sie nicht findet, wenn sie sich hier verstecken. Jemand kluges hat die Nadelbäume inzwischen wieder entfernt.

Ich frage mich, ob ich kleine Schildchen an den Kostbarkeiten auf der Wiese anbringen soll. Ich glaube, die Männer, die ihre Autos an der Böschung parken und dann im Bauwagen sitzen, wissen gar nicht, welches Kleinod sie da gepachtet haben.

Im Sommer wird die Wiese ein Blumenmeer sein. Die Natur ist so ein guter Gartenplaner: In jedem Monat blühen andere Blumen, immer neu entsteht die Schönheit dieses Kräutergartens. Ich hoffe, dass das noch sehr lange so bleibt.