Nicht auf den Scherben stehen bleiben

Alles ist schrecklich. Die Angst in den Augen meiner Jüngsten, dieses Nicht-Verstehen, aber spüren, was kommt. Diese Kühle hier im alten Haus, wo wir einmal glücklich waren. Ich gehöre hier nicht mehr her, aber ich habe noch kein neues Zuhause. Es ist ungemütlich und gar nicht mehr schön, dabei hat sich noch gar nicht so viel geändert.

Ich habe so große Angst, dass es hier nicht gemütlich sein wird für die Kinder. Der Papa räumt nicht gern auf, es wird einfach chaotischer sein, wenn ich weg bin. Aber ich weiß, dass ich ihm Unrecht tue: Er wird vieles möglich machen, damit die Kinder sich wohlfühlen. Und er wird Möbel umstellen und neu arrangieren, um die Lücken zu stopfen, die mein Weggehen reißt.

Heute haben wir einen Kleiderschrank vom Dachboden getragen, das schöne alte Bett der großen Tochter und eine Kommode auf den Anhänger verladen. Evtl. fahren wir es morgen schon in meine Wohnung. Dann werden wir Arbeitsplatte und Regal einbauen, die Möbel für unseren Sohn von einer Freundin holen und dann ist es irgendwann so weit. Und mir graut so sehr vor diesem Tag. Und ich freue mich so auf diesen Tag. Endlich, endlich, dem Schlimmen die Stirn zeigen und sagen: So ist es jetzt. Wir machen das Beste draus.

Wir haben gerade beschlossen, dass die Jüngste nicht beim Papa sein muss, wenn sie das nicht möchte. Sie schafft es nicht. Sie hat Angst und muss erstmal verstehen, was jetzt los ist. Die beiden Großen haben es etwas leichter, die hängen nicht mehr SO stark an mir. Aber die Miffi… Sie liebt ihren Papa, aber ihre ersten Worte, als ich sagte, dass wir auseinander ziehen, waren: „Ich gehe nicht weg von Mama.“  Wir sind uns einig: Das Ziel ist, dass wir das Wechselmodell fahren. Aber so lange ich keine Arbeit habe (und auch, wenn ich Arbeit finde), können wir es möglich machen, dass sie bei mir schläft. Irgendwann wird auch sie mitmachen. Oder auch nicht. Aber ich werde diese schlimme Zeit überleben. Und ich werde nicht auf den Scherben stehen bleiben.