In der Dunkelheit

Seit ich im Wendland lebe, gehe ich gern in rabenschwarzer Nacht spazieren. Wer das noch nicht ausprobiert hat, wird es nicht nachvollziehen können: Die Nacht umfängt den Spaziergänger mit ihrem rabenschwarzen und doch durchsichtigen Mantel. Alle Geräusche sind nah und doch fern. Die Welt verändert ihren Aggregatzustand. Man ist ganz allein und doch seltsam verbunden mit allen Dingen.

Für mich ist das wie eine Besinnung auf mich selbst als Zentrum meines Universums. Es ist schön, ruhig, ein bisschen gruselig. Einmal habe ich einen Haufen Glühwürmchen gesehen, zum ersten Mal in meinem Leben. Und dann einen Wolf, vielleicht erinnert Ihr Euch. Das war toll! Ich kann es nur empfehlen: Spaziert im Dunkeln umher, es bringt Euch nach vorn.

Heute habe ich als Potenzierung des Genusses einen nächtlichen Ausritt mit meinen geliebten Pony Sulaika gemacht. Ich wollte eigentlich eine Reitstunde nehmen, aber die Dunkelheit hatte uns überrascht und meine Reitlehrerin wollte die Stunde gern auf einen anderen Tag verschieben. Da ich Sulaika schon gesattelt hatte, bat ich, wenigstens eine kleine Runde in der Dunkelheit herumreiten zu dürfen. So bekam ich Warnweste, reflektierende Gamaschen fürs Pferd und die Anweisung, nicht in den Wald zu reiten. Im Wald sitzen jetzt die Jäger an, die hätten uns vielleicht für ein riesiges Wildschwein gehalten und uns über den Haufen geschossen.

So sind wir über die Felder geritten, schön gemütlich, damit mein Pony nicht stolpert. Ich sah den dottergelben Mond am Himmel, ich hörte ein Käuzchen rufen und das leise Schnauben des Pferdes. Der Hund lief zufrieden neben uns her. Es war himmlisch. Ich bin heute Abend sehr zufrieden.