Dunkel

Wiese bei Groß Gaddau in der Nacht.

Ich saß in meiner Küche, der Wein war ausgetrunken und das Leben zu schön, um einfach schlafen zu gehen. Ich hörte Lana del Rey und erinnerte mich daran, wie schön es ist, in der Dunkelheit umherzuspazieren. Ich streifte meine Regenjacke über, zog die schwarzen Gummistiefel an und ging hinaus in die Nacht.

Still war das Dorf, nur hier und da leuchtete noch ein Fensterviereck in der Dunkelheit. Ein Stück die Straße hinunter, dann bog ich ein auf die Wiese, die hinaus auf Felder und Weiden führt und die jetzt in rabenschwarzer Dunkelheit lag. Ganz leise, mit Rabenschwingen flog die Nacht um mich. Der Hund lief neben mir her, ganz nah an meinen Beinen, nicht wie sonst umherschnürend und Fährten suchend.

Ich lief auf den kleinen Wald zu. Hier und dort huschte etwas durch die Wiese und ins Unterholz. Der Wald empfing mich mit leisem Blätterrauschen, mit Feuchte und Stille. Eine Socke war im Gummistiefel heruntergerutscht und bildete am Fuß einen Wulst.

Auf halber Strecke, an der Stelle, wo umkehren ebenso lang ist wie weitergehen, fiel mir eine Nachbarin ein: Sie hatte vor zwei Tagen am Nachmittag ein Wolfsrudel auf der Wiese heulen hören. Zu spät. Nun hieß es weitergehen.

In der Nach spazieren ist alles zugleich: Entspannung, Selbstfindung, Ruhe und Mutprobe. Als die Furcht zu groß wurde, stimmte ich laut einen Choral an. Die Furcht ging vorüber und ich lief weiter.

Am Ende des Weges legte ich mich auf die Straße. Die Regentropfen fielen in mein Gesicht. Der Hund wurde ruhig und setzte sich zu mir. Ich war eins mit der Welt. Ganz ruhig und zufrieden.

Jetzt kann ich schlafen gehen.