Rammelnde Rüden

Dieser Pauly…

Der Herbst hält Einzug im Wendland – er lässt Waschbären zu kleinen Knochen- und Fellhaufen zerfallen, bedeckt die Wiesen mit Nebelschwaden und Laubteppichen und gibt mir das Gefühl, jeden Tag eine Tafel Schokolade essen zu müssen. Fett isoliert. Das weiß man ja.

Gerade bin ich zu Besuch bei Freunden an der Schlei. Dieser Meeresarm der Ostsee trennt die schleswigschen Landschaften Angeln und Schwansen. Heute gibt es also ein Schleswig-Holstein-Abenteuer, wenn auch wenig abenteuerlich. Ich habe meinen dicken Hund eingepackt und versuche, hier kreative Energie zu tanken. Heute morgen war ich eine große Runde spazieren – durch den Morgennebel und durch das feuchte Gras. Die Schlei lag grau und bleiern da. Auch hier wird es Herbst. Rund um die Schlei gibt es viel Geschichte zu entdecken: Die Wikingersiedlung Haitabu gehört ebenso dazu wie das Schloss Gottorf mit seinem gruseligen Moorleichen und das mittelalterliche St.-Johannis-Kloster. 

Meine Hündin Wilma findet es hier so mittelgut, denn der Hund meiner Freunde ist verliebt in sie. Ich kann ihn verstehen, Wilma ist ein hübsches und charmantes Ding. Aber sie schätzt es nicht, alle fünf Minuten von Rammelversuchen eines kleinen, aufgeregten Hundemannes behelligt zu werden. Und so war unser Spaziergang ein Rhythmus aus schlendern, schnüffeln, rammeln, bellen, schlendern, schnüffeln, rammeln, bellen. Am Ende waren wir alle erschöpft und der arme Pauly wurde von mir und Wilma tausendmal geschimpft, weil er nicht dauernd aufreiten soll.

Und dabei ist es hier so schön und man müsste gar nicht so viel rammeln, denn es gibt Wiesen zum Flitzen und Stoppelfelder und Hasenfährten und hohle Baumstämme… Ich mag es hier.