Stippvisite

Gefilzt und geknotet: Die Kissen und Teppiche von Michelle Mohr

Das Wendland ist – daran gibt es nichts schönzureden – eine strukturschwache Region. Wenig Arbeitsplätze, wenig Bewegung, es fehlt an Innovation und Schwung.

Das Wendlandlabor, ein Projekt des Landkreises Lüchow-Dannenberg, versucht, ein bisschen Schwung in den Laden zu bringen. Mit der Vernetzung von Kreativen aus der Region und Designstudenten aus den umliegenden Unistädten soll frischer Wind durch den Landkreis wehen. Bereits entstanden ist ein toller „Innovationsspace“ auf dem Werksgelände des Metallverarbeitungsunternehmes Rimatec. An den Arbeitsplätzen und in den Werkräumen können schlaue Köpfe Prototypen entwerfen und herstellen.

Doch nicht nur das: Mit der „Stippvisite“ bringt das Wendlandlabor die Kreativen des Landkreises zusammen. Mal hier mal da treffen sich Interessierte einmal im Monat in einer Werkstatt oder einem Atelier, tauschen sich aus, netzwerken ein bisschen und essen das leckere Essen von Hanne Eis, die sich gerade als aufsteigender Stern am Catererhimmel des Landkreises etabliert.

Gestern war Stippvisite bei Michelle Mohr. Die Textilkünstlerin arbeitet mit Schafwolle. In langen Strängen lagern die Kammzüge in verschiedenen Farben in der Werkstatt mitten in Lüchow. Die Züge werden von Michelle gefilzt, und dann flicht, nein! knotet sie wunderschöne Teppiche und Sitzkissen aus der warmen, weichen Wolle. Ihre Knotentechnik ähnelt dem Makramée, mit dem Kinder gern ihre Freundschaftsbändchen knüpfen.

Michelle hatte gestern also die Bude voll. Dabei waren: Eine weitere Teppichknüpferin, die feine Gobelins herstellt, zwei Goldschmiedinnen, eine Mediengestalterin, ein Polsterer, eine Schneiderin, eine Strickerin, ein Tischler und ein Musikant. Es ging bei den Gesprächen um Ressourcen, um Räumlichkeiten, um den Umbau eines Schweinestalls zur Werkstatt und natürlich darum, wie Hanne Eis diese köstlichen Kichererbsenbällchen gemacht hat.

Mal sehen, wer als nächstes Seine Werkstatt zeigt – ich bin gespannt.