Nix für schwache Nerven

Ganzer Hund, halber Hase.

So ein Labrador ist ein ganz tolles Tier: Nervenstark, freundlich, verspielt, geduldig. Und: verfressen. Die tägliche Portion Trockenfutter vertilgt meine Hündin Wilma morgens nach dem ersten Spaziergang im Handumdrehen. Und dann ist den Rest des Tages Kohldampf angesagt. Die Arme sucht und schnüffelt und hat inzwischen so ihre Quellen. Seit wir im Frühling in meine neue Wohnung gezogen sind, hat Wilma sämtliche Komposthaufen des Dörfchens ausgekundschaftet und freut sich über jedes gammelige Brötchen und jede Käserinde, die dort landen.

Vergeblich predige ich, dass es die Ratten anzieht, wenn Essensreste auf dem Kompost landen. Es zieht wirklich Ratten an. Und Wilma. Manchmal lasse ich sie am Abend noch mal zum Pinkeln raus, und wenn sie länger als zehn Minuten weg ist, weiß ich: Sie ist auf Kompostrunde. Dann kommt sie nach einer ganzen Weile zurück und hat erstmal einen wahnsinnigen Durst, weil: Käserinde und so.

Heute war ich ausreiten und wie immer hatte ich auch Wilma dabei. Wir latschten also so durch Wiesen und Felder, es war ziemlich neblig und kalt und plötzlich war Wilma verschwunden. Ich rief und lockte und irgendwann tauchte sie am Horizont auf. Mit etwas hellem, langem im Maul, das an einem Ende rot war. Ich befürchtete kurz, dass sie eine Leiche ausgegraben hatte und nun mit einem Arm im Maul angelaufen käme. Aber nein: Es war ein halber Hase. Und zwar ein hinterer halber Hase. Die langen Pfoten standen steif zur Seite ab und an der anderen Seite waren anatomische Details zu sehen, von denen ich lieber nichts gewusst hätte.

Der Hund trug seine Trophäe die ganze lange Reitrunde stolz mit sich und nagte in einer Pause die Hälfte vom halben Hasen auf. Sie bekommt also heute kein Abendbrot. Es ist schon erstaunlich, wie mich das Landleben abhärtet. Halbe Hasen kann ich ansehen, ohne zu kotzen. Wow.