Jung

Leuchtet wie ein Weihnachtsbaum: Die Scheune von Marco und Daniela.

Als ich neulich im Bad war, leistete mir meine Fünfjährige Gesellschaft. Sie macht das gern und kann gar nicht einsehen, dass manche Menschen gewisse Dinge gern allein erledigen. Und während sie da also saß und dem silbernen Klingeln in der Schüssel lauschte, kam ihr ein sehr wichtiger Gedanke. „Mama!“ rief sie. „Mama! Ich bin erst fünf Jahre alt. Ich habe noch mein GANZES LEBEN vor mir!“ Ja mein Kind, so ist es. Und ich bin 46 Jahre alt und habe mindestens mein halbes Leben schon gelebt.

Auch heute Abend hat mich die Jugend mit der ihr eigenen Süße berührt: Ich habe meine Freunde Marco und Daniela besucht um dort ein Konzert zu hören. Die beiden leben auf einem großen Hof und bewirtschaften diesen sehr kreativ. Im Sommer waren wir in ihrem unglaublichen Gemüsegarten, haben Arme voll Gemüse geerntet und draus in der Profiküche Köstlichkeiten produziert. Regelmäßig laden Marco und Daniela Bands zu sich nach Hause ein- Wie das Heim der Sieben Zwerge liegt ihr Hof noch hinter Schnega und den sieben Bergen. Dass es wirklich immer wieder herausragende Musiker hierher verschlägt, ist dem Musikverstand und Netzwerktalent der Beiden zuzuschreiben.

Heute also: Erst Kürbissuppe und Lauchquiche mit Feta und Berglinsen, dazu Salat aus dem Garten mit köstlichem Dressing, selbstgebackenes Brot und süßsauer eingeweckte Zucchini. Danach: Plato*n Karata*ev, eine Band aus Ungarn. Lauter tolle Jungs, noch grün hinter den Ohren, aber SO musikalisch.

IMG_0525 from Vivian Rossau on Vimeo.

In Ungarn sind sie bereits sehr erfolgreich und gehören hier zu den meistgestreamten Bands. Auch die internationale Szene wird so langsam aufmerksam auf die vier Jungs, die mit mehrstimmigen Gesängen, viel Gitarrenlärm und Leidenschaft einen fantastischen Indie-Folk-Rock spielen.

Die Stücke, mal lyrisch, mal melancholisch und immer wieder auch wild und leidenschaftlich, erzählen von hoffnungsloser Liebe, von Ozeanen, die aus Augen strömen und davon, alt genug für die Liebe zu sein. Anrührend ist das, diesen jungen Männern, die sicher halb so alt sind wie ich, beim Leben, beim Musizieren und beim Fühlen zuzuschauen.

Ich stehe auf solchen Konzerten gern still da und sauge die Musik und die Atmosphäre in mich auf. Heute war ich ganz vorn an der Bühne, um mich herum tanzte das Publikum begeistert. Jedes Stück wurde von Pfiffen und Rufen gefeiert. Jetzt bin ich ganz satt und zufrieden und voll neuer Klänge. Die vier Jungs aus Ungarn ziehen nun weiter, quer durch Europa. Der Hof hinter den sieben Bergen war die erste Station.

Von denen wird man noch hören, da bin ich sicher. Ich mache mir jetzt eine Wärmflasche und streame ungarischen Indie-Folk-Rock.