Das muss mal gesagt werden

Meine schöne kleine Wohnung liegt im Erdgeschoss eines alten Bauernhauses. Die Küchentür führt direkt auf einen Innenhof, der, überdacht von einem großen Schleppdach, im Sommer Platz für lauschige Stunden bietet.

Seit einigen Wochen finde ich auf ebendiesem Innenhof immer wieder … Hinterlassenschaften. Kleine Häufchen. Sie liegen mal hier mal da auf dem Pflaster, und ehrlich gesagt frage ich mich, wer mir da dauernd vor die Tür kackt.

Heute morgen nun fand diese Episode der Kackhäufchen ihren vorläufigen Höhepunkt, als ich nämlich beim Aufstehen die Küchentür (ihr wisst schon, die zum Hof mit den Häufchen) offenstehen fand. Diese Tür schließt neuerdings nicht richtig, und manchmal weht ein Windzug sie einfach auf. So auch heute Nacht. Und während ich schlief, war etwas in meiner Wohnung. Ich weiß das, weil überall Hundetapsen in meiner Küche waren und dann – ja, wirklich! – fand ich drei Pissepfützen auf meinem Fliesenboden.

Die Erklärung ist ganz einfach: Meine Hündin ist läufig. Dies tut sie kund, indem sie eine Pipispur quer durchs Dorf legt. Sie pinkelt hier, sie pinkelt dort, damit alle potenten Rüden der Umgebung wissen, wo sie wohnt. Und sie hat einen treuen Fan: Einen sehr scheuen Bordercollie, der gern durchs Dorf streunt. Ich glaube, dass dieser Köter uns die Häufchen vor die Tür macht. Kleine Liebesgrüße für meine vergnügungssüchtige Gefährtin. Und heute Nacht hat er sich Eingang verschafft zu meinem Reich und mir, wahrscheinlich aus Frust darüber, dass Wilma zu Besuch beim Exmann war, ein paar Seen in die Küche gepinkelt.

Bevor ich aufs Land zog, hat mir das niemand gesagt: Dass eines Nachts ein liebestoller Köter in meine Küche schleichen und sich neben meinem geliebten Küchensofa entleeren würde.

Überhaupt ist das ja so: Ihr Leute in der Stadt denkt: Auf dem Land, da ist alles schön. Die Luft ist sauber, überall Felder, Wiesen und Wälder und rotbackige Bauernburschen.

Die harte Wirklichkeit sieht anders aus. Haltet Euch fest. Ich habe das alles selbst erlebt:
– Fasst man morgens schlaftrunken an den Knauf der Dusche, kann es sein, dass man aus Versehen eine haarige Spinne zerdrückt.
– Überhaupt Spinnen! Wisst Ihr, dass es in Deutschland handtellergroße Winkelspinnen gibt? Und dass die im Herbst gern ins Haus kommen, weil es draußen ungemütlich wird?
– Sind die Kinder hübsch bullerbümäßig über eine grüne Wiese getollt, muss man sie sorgfältig nach Zecken absuchen. Die kleinen Biester saugen sich gern hinter den Ohren oder in der Leiste fest und sind eeeeeklig!
– Am Lagerfeuer sitzt man immer genau da, wo der Rauch hinzieht
– Pilze wie die wunderschöne Krause Glucke (lecker aber schwer zu putzen) können voller Maden sein, was man manchmal erst entdeckt, wenn man den Pilz schon halb gegessen hat.
– Liegt man auf einer Wiese und redet mit einem lieben Freund, kann es sein, dass der hübsche Kieselstein, den man aufheben möchte, in Wirklichkeit ein gut getarntes, matschiges und kaltes Stück Hühnerkacke ist

Ich könnte noch ewig so weitermachen, aber am Ende liest dann niemand mehr meinen Blog. Eigentlich ist es auf dem Land ganz toll. Die rotbackigen Bauernburschen sind auch wirklich nett!

Natürlich gibt es auch tolle Regenbogen und Sonnenuntergänge und lauschige Abende unter Eichen. Aber alle, die überlegen, ihren Lebensmittelpunkt ins Wendland zu verlegen, können nun nicht mehr sagen, ich hätte sie nicht gewarnt.

One Comment

  1. Nadja

    Es fehlt noch:
    – der Hahn, der im Sommer morgens um 5 Uhr kräht 😉
    – die langsamen Traktoren oder Mähdrescher, die auf der Straße unterwegs sind
    – die Kinder, die man manchmal im Dorf suchen muss, weil sie nicht nach Hause möchten

    Und ich würde trotzdem nicht tauschen wollen 😉

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