Schmerz

Er fängt klein an, denn er hat Zeit. Er will sein Spiel genießen. Zuerst ist er ein kleines, lästiges Sirren hinter der Stirn. Er nistet sich dort gemütlich ein, aus dem Sirren wird ganz langsam ein Brummen, bis sich aus dieser Wolke ein Kern manifestiert. Oder eigentlich zwei Kerne.

Sie sitzen hinter den Augen und krallen sich dort fest. Die Schmerzkerne sind kleine Teufel, sie haben scharfe Klingen an ihren Stiefelchen und zertreten damit mein Gehirn. Jeder Schritt zerschneidet etwas in meinem Kopf.

Dann wandert der Schmerz. Die beiden Kerne verschmelzen zu einem, und der rutscht hinters linke Auge, dann langsam zum Ohr, über den Hals bis in die Schulter. Meine linke Seite ist Schmerz. Dass in meinem Auto drei Kinder sitzen, die ich nach Hause fahren muss, das ist dem Schmerz ganz egal. Er genießt sein Spiel. Er hat jetzt eine schartige Oberfläche, rauh, unruhig und graugrün.

Zuhause: Essen, kleine Bissen, weil der Schmerz wie einen grauen Schleier die Übelkeit hinter sich herschleppt. Eine Schmerztablette, noch eine. Die Kinder machen Abendessen, bringen eine Wärmflasche, legen kühle Hände auf meine Stirn.

Langsam, ganz langsam geht der Schmerz.