Lange nichts und dann das.

Foto: Michelle Mohr

Als Blogschreiberin schreibt man ja so ins Nichts hinein. Man möchte gern unterhalten, man möchte den geneigten Leser bei der Stange halten und nicht mit dem ganzen Kleinscheiß langweilen, der so passiert.

Da fällt dem Sohn die Flasche mit dem Holunderblütensirup runter und die ganze Küche klebt. Da ist die Hafermilch ständig ausverkauft, und dabei ist das das Einzige, das morgens im Kaffee schmeckt. Da macht der Hund sich heimlich nachts die Küchentür auf, wälzt sich hingebungsvoll in Scheiße, während ich schlafe und legt sich dann in mein Bett. (Ja, das ist wirklich passiert, ich habe es mir nicht ausgedacht!)

Es passiert also wochenlang nur so ein Mist und ich frage mich: Was schreibe ich nur?

Und dann: Gehe ich ins Kino und sehe einen wunderbaren Film (wisst Ihr schon) und dann gehe ich auf eine Saatgutbörse und finde das toll (lest Ihr gleich) und dann blühen die Mandelbäumchen und die Magnolienknospen platzen fast und die Kamille steht am Feldrand und tut so als wäre es Frühling. Alles auf einmal! Ich habe viele Fotos gemacht und werde nun also Euch, meine hoffentlich geneigte Leserschaft, mit all diesen Köstlichkeiten des Landlebens erfreuen.

Heute also: Saatgutbörse.

Im Dörfchen Krummasel steht eine Rübenburg. Eine Rübenburg ist ein großes Backsteinhaus mit Veranda, das sich ein reicher Rübenbauer um die Jahrhundertwende gebaut hat. Es gibt davon ein paar im Wendland. In Krummasel hat sich eine Kommune der Rübenburg angenommen, dort wird gelebt und gefeiert und alle paar Wochen gibt es Sonntags Torte und Kaffee und Kräutertee und alle freuen sich.

Heute, der Frühling ist nicht mehr weit, gab es in der Rübenburg eine Saatgutbörse. Ein paar Gärtner haben auf Tischen ihre Döschen und Gläser mit Samen aufgebaut. In der Rübenburg kann man das ganz toll machen, weil die nämlich einen Saal hat, in denen das Dorf früher seine Feste feierte. Ein bisschen von der alten Pracht ist noch zu sehen, die Wände sind mit hübschen Bordüren bemalt und ein dicker, gusseiserner Ofen verbreitet wohlige (und wenn man zu nah dran steht unwohlige) Wärme. Die üblichen Verdächtigen des Wendlands haben sich also heute hier versammelt, um Saatgut für den kommenden Frühling zu kaufen und zu tauschen.

Es gibt Samen für alles, was das Herz begehrt: Ringel- und Kornblumen, Stockrosen, Tomaten mit Namen Harzfeuer und bunten Mais und süßen Mais und Popcorn-Mais. Es gibt Erbsen und Rote Bete und Quinoa, dicke Bohnen und Rankelbohnen und Feuerbohnen.

Weil natürlich nur die Profis daran denken, sich Gefäße für die Samen mitzubringen, liegt auf einem der Tische eine Faltanleitung für kleine Kuverts, in denen man seine Schätze nach Hause tragen kann. Sehr hübsch sind diese kleinen Umschläge, und eine Freundin meint augenzwinkernd, dass darin auch weißes Pulver transportiert wird in gewissen Kreisen.

Ich habe nun also Samen für „Die drei Schwestern“, Kürbis, Bohnen und Mais, die, zusammen auf einem Beet kultiviert, eine perfekte Symbiose eingehen. Und ich habe Spinat- und Erbsen- und Ringelblumensamen, die alle in lustigen Tütchen auf meinem Küchenschrank liegen und darauf warten, dass der Frühling kommt. Womit wir beim blühenden Mandelbäumchen wären, aber davon mehr in meinem nächsten Eintrag. Oder im übernächsten.