Sturm aus Afrika

Gestern blies ein Wind aus Afrika durchs Wendland, ich bin mir ganz sicher. Es muss so sein, denn wir hatten plötzlich 18 Grad und einen ganz ordentlichen Sturm. Ein seltsames Wetter.

Die Wärme lockte mich in den Garten, wo sich das Unkraut dank des milden Winters schon munter über alle Gemüsebeete ausgebreitet hatte. Die Tomatenpflanzen aus dem letzten Sommer hingen matt und braun im Gewächshaus und alles sah ein bisschen verwahrlost aus.

Also zog ich meine Gummistiefel an und machte mich ans Werk. Dazu öffnete ich zuerst die Gartenscheune. Ach, die Gartenscheune! Sie ist ein wunderbares Werk meines verstorbenen Vermieters. Hinter ihrem großen Tor verbergen sich mit Liebe und Ordnungssinn sortierte Gartengeräte: Rosenscheren, kleine Schaufeln, Handschuhe, Richtschnüre, Klammern und Bänder zum Befestigen von Pflanzen, Samentütchen und uralte Zangen liegen säuberlich sortiert in einem großen Regal. Gegenüber stehen Schubkarren und Handwagen. Bohlen und Bretter lehnen an der Wand, falls man mal einen Weg bauen möchte. Gießkannen, Rasenmäher, Grubber, Sauzähne… Die Schaufeln und Grabegabeln, Harken und Hacken hängen nebeneinander gleich neben dem Tor. Bestimmt hat mein Vermieter sie im Winter immer mit Spiritus abgerieben, um sie zu säubern. Ich bin dafür immer zu faul und nun freue ich mich so sehr über dieses Füllhorn eines alten Gärtners.

Ich schnappte mir die größte aller Schubkarren, zog mir Handschuhe an, nahm Grabegabel und Harke vom Haken und legte los. Die alten Tomatenpflanzen wanderten in die Schubkarre, die matschigen Kohlrabis und die Reste der Sonnenblumen auch. Dann grub ich zwei Beete um, machte die Erdbeeren frühlingsfrisch und harkte alles schön glatt.

Nun steht das Gewächshaus jungfräulich da und wartet auf die Pflanzen, die ich im Frühling hier setzen werde. Es dürfen Tomaten und Paprika einziehen und vielleicht noch eine Melone.

Die Beete sind nun nicht mehr grün sondern schwarz, wir haben wirklich gute Erde voller Regenwürmer in unserem Gemüsegarten. Ich kann den Frühling kaum erwarten, wenn Zucchini und Kürbis, Salatpflänzchen und Kohlrabisetzlinge ihren Platz einnehmen werden.

Erstmal habe ich aber die Reste des vergangenen Sommers auf den Kompost gebracht und die Gartengeräte gesäubert und wieder an ihren Platz gehängt. Bis zum nächsten Afrikasturm.