Regenwurmmatsch

Nun regnet es schon wieder und die Welt geht unter und der Wind gibt noch mal richtig Gas. Der Februar findet, dass er noch nicht alles gegeben hat, und er hat Recht.

Wenn ich so durch die Gegend laufe, sehe ich bei diesem Sauwetter sehr viel graurosa Matsch auf den Wirtschaftswegen liegen, die hier durch die Felder führen. „Milchstraße“ werden die genannt, weil früher darauf die Laster oder Trecker fuhren, die aus den Dörfern die Milch abholten. Die Bauern stellten ihre Kannen dafür auf die „Milchbank“ mitten im Dorf. Aber das führt jetzt vom Thema weg.

Jedenfalls der graurosa Matsch. Er sieht ein bisschen aus wie Hackepeter. Aber ich schätze, er ist nicht so lecker, denn es handelt sich hier um den gemeinen Regenwurm, der von den Autos, die die Milchstraßen entlangfahren, plattgefahren wurde. Das Wort „plattfahren“ trifft es nicht ganz – es gibt ein französisches Wort, das viel besser passt, es heißt „écraser“. Das ist so eine Mischung aus platt und matsch und sehr schön lautmalerisch. Eine „Banane écrasée“ ist eine zermatschte Banane, eines der Lieblingsnachtische meiner französischen Au-Pair-Kinder.

Ein „lombric écrasé“ ist also ein plattmatschgefahrener Regenwurm, und wenn man die armen Dinger da so liegen sieht, fragt man sich doch, warum sie so lebensmüde auf die Straße kriechen. Ich habe recherchiert und das folgende herausgefunden:

Der gemeine Regenwurm „atmet“ über die Haut, und wenn der Regen seine Gänge überflutet, dann kann er das nicht mehr, weil er eben im Regenwasser schwimmt. Die vom Regen aufgeweichte Erde macht es den Kriechern möglich, nach draußen zu kommen. Tun sie dies auf einer Wiese – kein Problem! (wenn man man von fiesen Vögeln – fast eine Alliteration! absieht). Einmal auf der Milchstraße können sie zwar wieder CO2 über die Haut verstoffwechseln, aber leider lauert hier auch der Tod. Siehe oben.

Eine weitere Theorie: Das Trommeln des Regens macht genau den gleichen Lärm wie das Nahen eines Maulwurfs. Der schlimmste Feind des Wurmes ist das schwarze, putzige, kurzsichtige Pelztierchen. Also fliehen die Regenwürmer nach oben und – naja. Ihr kennt die Geschichte jetzt.

Ich frage mich, wie viele Veganer schon über die Würmer gefahren sind, ohne zu ahnen, welches Massaker sie anrichten.

Ruhet in Frieden, ihr Kriecher und Schleimer, ihr friedlichen, freundlichen Kompostverwerter.