Tschilp

Nach den Regengüssen der letzten Tage schaut der Frühling wieder munter um die Ecke. Der Bauer hat einen riesigen Tanklaster Gülle auf unsere Spazierwiese gefahren – gut, dass es geregnet hat, nun können wir da wieder ohne tränende Augen langlaufen.

Sonne und Wind lecken Wiesen und Äcker trocken und an den Mirabellenbüschen schauen schon ganz zart die ersten weißen Blüten hervor.

Am frühlingsverliebtesten aber ist die Vogelwelt: die Kraniche haben uns in diesem Winter gar nicht verlassen, und nachdem sie in den langen kalten und dunklen Monaten eher trübsinnig herumgestanden und laut geklagt haben, schreiten sie nun umeinander wie ein echtes Hochzeitspaar. Sie spreizen die Schwanzfedern und trompeten herum. Bald werden sie sich paaren und dann gibt es ein niedliches, flauschiges Kranichküken im Nest am Weiher.

Während die Kraniche in silber und schwarz sehr elegant daherkommen, gibt es da ein paar Gesellen, die auf Eleganz pfeifen. Sie sitzen in Büschen und Bäumen und tschilpen und krakelen, dass es eine Freude ist. Wären sie Menschen, hätten sie Schiebermützen auf und ausgelatschte Stiefel an. Sie würden ständig ausspucken und bei jedem Mist einen Streit vom Zaun brechen. Sie würden pöbeln und grölen und kreischen und kichern.

Ich rede von den Spatzen. Die kleinen grauen Federkugeln haben neulich so ein Geschrei veranstaltet, dass ich auf meinem Hundespaziergang angehalten habe, um das Spektakel zu filmen. Dieser Lärm! Schon 100 Meter vor der großen Eiche, auf der sich das Spatzenvolk eingenistet hatte, hörte ich sie randalieren. Von unten filmte ich ins Geäst, ich sah die kleinen Gesellen hin- und herflattern. Was sie sich wohl erzählten? Ich wüsste es gern.

Später dann im Buchenwald: Zierliches Gezwitscher, Sonnenstrahlen die zwischen den kathedralenhohen Stämmen leuchten. Erste Annemonenblätter, die durch den Laubteppich brechen. Ein Specht, der an seiner Nisthöhle baut, irgendwo da oben, unter den Kronen dieser schönen, schlanken Bäume mit der ganz glatten, graugrünen Rinde.