Regenwürmer, schon wieder

Da schrieb ich neulich über die sterbenden Kriecher, und das ziemlich mitleidslos, und schon tun sie mir leid. Gerade am Wochenende trieb es die rosa Gesellen wieder in Scharen aus ihren Erdlöchern. Einen riesigen Vertreter seiner Art nahm ich vorsichtig in die Hand und legte ihn (haltet Euch fest) auf einen Maulwürfshügel. Schön lockere Erde da…

Mein kluger Begleiter rief entsetzt: „Was tust Du denn? Da wird er gefressen!“ Ja, in der Tat. Und das ist doch erstaunlich, wo ich doch gerade in einem meiner letzten Blogbeiträge beschrieben habe, dass Maulwürfe Regenwürmer fressen. Na, der Maulwurf dürfte sich gefreut haben über den wirklich fetten Wurm, den ich ihm direkt vor die rosa Schnauze geworfen habe.

Während ich so über meine dumme Tat nachdenke, fällt mir der Text einer von mir hochgeschätzten Journalistin, nämlich von Julia Koch ein. Sie schrieb im SPIEGEL Nr. 32/2016 darüber, dass Menschen aus lauter Tierliebe sehr dumme Dinge tun. So haben im Sommer 2016 ein Vater und sein Sohn im Yellowstone-Nationalpark ein Bisonkalb in den Kofferraum geladen. Sie fanden, es sähe verfroren aus. Die Herde nahm das Kalb nicht wieder auf, und so musste es eingeschläfert werden. Ein an Menschen gewöhnter Bison ist gar nicht gut für leichtsinnige Parkbesucher.

Julia Koch schreibt von zusammengeleimten Schneckenhäusern, eingesammelten Hasenbabies und anderen Eseleien. Die Menschen, so sagt es eine Wissenschaftlerin in dem Text, hätten den Bezug zur Natur und ein bisschen auch den gesunden Menschenverstand verloren.

Was sagt mir das über meine Liebe zu Regenwürmern? Ich werde sie ziehen lassen, egal, wohin ihr irregeleiteter Instinkt sie treibt. Mögen sie sich écrasieren lassen, oder fressen von wem auch immer. Ich halte mich da jetzt raus.

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