Mausetot

Seit ein paar Tagen lag auf unserem Hof eine tote Maus. Die Katze wird sie da hingeschleppt haben, und dann ist ihr wohl der Appetit vergangen. Die Maus lag da und wurde immer kleiner, und dann fiel auch noch der Regen auf sie. Das kleine Maul stand ein wenig offen, der Schwanz lag kläglich auf dem Hofpflaster.

Jedes Mal, wenn ich die Maus dort liegen sah, dachte ich Dinge wie „Mülltonne“ „müsste mal weg da“, „am Schwanz fassen, brrr“. Und ein bisschen tat mir die Maus auch leid. Wie unwürdig, da so tot herumzuliegen und alle schauen einen an.

Die Krönung lieferte ein Freund meines Sohnes, der sockfuß über den Hof zum Auto seiner Mutter trabte und plötzlich quietsche: „Ieh, ich bin auf eine tote Ratte getreten!“ Sockfuß. Äääh. Es war ja gar keine Ratte, sondern nur eine arme, kleine, tote Maus.

An diesem heutigen schönen Frühlingstag waren meine Kinder zum ersten Mal in diesem Jahr so richtig draußen unterwegs, sind Trampolin gesprungen und Fahrrad gefahren. Und als mein Sohn von der Maus sprach, sagte ich wieder so Dinge wie „wegräumen“ und „Mülltonne“. Mein Sohn war empört. Natürlich müsse man die Maus begraben!

Er holte sich aus unserer wunderbaren, gut sortierten Gartenscheune ein Schäufelchen und machte der Maus ein Grab unterm Walnussbaum. Dort liegt auch schon ein kleiner Vogel, es ist unser Tierfriedhof. Ich wurde eingeladen, zu schauen und das Grab zu begutachten. Ich war sehr gerührt. Wie viel schöner ist es, von Kinderhänden so liebevoll beerdigt zu werden als in der Mülltonne zu landen? Ich kenne das Grab nur von außen, aber ich wette, es ist um die Maus herum alles flauschig mit Blättern und Moosen gepolstert.

An welcher Stelle fangen wir an, Mäuse in Mülltonnen zu werfen? Wann habe ich damit begonnen? Ich kann mich erinnern, dass auch ich als Kind alle toten Kreaturen in die Erde bettete, die ich so fand. Das waren Kätzchen, die der Nachbar ersäuft hatte und kleine Vögel und auch mal ein kleiner Marder. Spannend war das und schön und irgendwie würdig.

Ruhe in Frieden, Du kleine Maus.