Leben. Lieben. Kröte sein.

Seht Euch diese schönen Augen an!

Gerade komme ich aus dem Kino. Ich sah mit meiner Tochter den Film „Little women“ von der Regisseurin Greta Gerwig. Wir saßen die ganzen langen 2 Stunden 20 im Kino und lachten und weinten und hielten uns an den Händen, denn dieser Film ist so wahrhaftig. Er erzählt aus dem Leben von vier Schwestern, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Amerika ihren Weg gehen und zeigt in einer großen Intensität die Freuden, die Leiden, das Schicksal. Alles begegnet uns Menschen in unserem Leben, Leid und Tod und Freude und Extase und wir ringen um Fassung und dabei ist das Leben doch so schnell vorbei.

Am Ende des Filmes wird irgendwie bei aller Schwere doch alles gut, die Schwestern finden ihren Platz und bleiben sie selbst. Meine Tochter und ich verließen das Kino mit verweinten Gesichtern, erfüllt von dem Gefühl, wie reich, wie schwer und wie wunderbar das Leben ist.

In all diesem Überschwang fuhr ich nach Hause, es regnete dicke Tropfen auf mein Auto, und mich schüttelte das Gefühl, auch etwas Wunderbares vollbringen zu wollen. Und das werde ich! Noch heute Abend! Ich werde etwas schreiben! Etwas von Bedeutung, etwas, das die Welt erschüttert!

Ich werde Euch heute Abend von den seltsamen Tieren erzählen, die seit einigen Tagen wieder unsere Straßen und Wege bevölkern. Es sind: Kröten. Sie wandern. Sie wollen sich paaren. Ein unwiderstehlicher Ruf lockt sie, es zuckt in ihren Lenden (jedenfalls stelle ich mir das so vor), und sie möchten diese Erde nicht verlassen, ohne ihr etwas Bleibendes zu geben, ohne ihrem Leben einen Sinn gegeben zu haben. Bald schon werde sie viele Eier legen und abertausende putzige Krötenbabies werden das graue Licht eines Märztages im Wendland erblicken, hurra!

Eine Erdkröte war es wohl, der ich heute bei meinem nächtlichen Spaziergang begegnete. Das sind so lustige Kreaturen. Sie bewegen sich ganz langsam über die Straße, und wenn ich sie mit meiner Stirnlampe anleuchte, dann halten sie inne. So, als hätte ich sie bei etwas Verbotenem ertappt. Sie schauen unschuldig und bewegen sich kein Stück! Und wenn ich den Lichtkegel meiner Lampe ein Stück weiterwandern lasse und sie wieder im Dunkeln sind dann bewegen sie erst eine Zehe und dann ein Bein und gehen gaaaaanz vorsichtig weiter. Auf Zehenspitzen! Sehr ausgebufft, diese Kröten!

Leider werden viele von ihnen überfahren – gleich morgen werde ich mit den Kindern losgehen und die Tierchen einsammeln und ein wenig Postillon d’Amour spielen. Mögen sie sich glücklich paaren, sich lieben und streiten, diese Kröten. Hey! Das Leben ist schön!