Wahrheiten

Zwei Wahrheiten auf einem Bild

Ein Lämmchen wird vielleicht sterben. Es hat seine Mutter verloren, es wurde verstoßen. Die Schäfer werden versuchen, es mit der Flasche aufzuziehen, aber ob es überlebt, weiß man nicht.

Meine Tochter ist heute sechs Jahre alt geworden. Sechs wunderbare Jahre mit diesem Kind, das so sehr bei sich ist, liebevoll, bescheiden, großzügig und wild. Dass sie bei uns lebt, ist wundervoll.

Ich habe keine Arbeit. Ich schreibe, ich mühe mich, eine Stelle zu finden, ich versuche, meinen Alltag zu strukturieren. Aber ich habe gerade keine Arbeit und zum ersten Mal in meinem Leben muss ich jedes Geldstück zweimal umdrehen, bevor ich es ausgebe.

Ich verstehe mich gut mit meinem Exmann. Er ist eine wahre Stütze und hilft immer, wenn ich ihn bitte. Er ist unseren Kindern ein liebevoller Vater, einen besseren könnte man sich nicht wünschen. Ich bin froh, dass ich drei Kinder mit ihm habe.

Ich habe heute einen Liebhaber, der sich nur halbherzig um mich gekümmert hat, verabschiedet. Ich hoffte auf Liebe und bekam nur beiläufige Aufmerksamkeit. Nun ist er fort aus meinem Leben und ich bin wieder allein. Und kann aufhören, auf ihn zu warten.

Ich hatte ein Vorstellungsgespräch. Ich habe am Freitag bei einem Verlag, den ich sehr schätze, vorgesprochen und hatte ein gutes Gespräch. Vielleicht, ja, ganz vielleicht wird man mich anstellen. Das wäre wunderbar.

Der holländische Musiker Dany Vera singt in seinem Stück „Roller Coaster“ über die Höhen und Tiefen, die uns unser Leben beschert. Hoch und runter.

Ich blicke auf diesen Sonntag, während ich durch den Sonnenschein nach Hause fahre und denke all diese Dinge. Gute, schlechte und langweilige Wahrheiten. Sie sind alle da und haben ihren Platz.

Ich mache mir jetzt ein Gemüsecurry und wünsche mir Gesundheit und Liebe. Für alle Menschen.