Kalt

Ich weiß nicht, wie das heißt, aber es wächst im Wald und sieht hübsch aus.

Eine kalte Luftmasse ist vom Polarkreis, oder von wo auch immer so eine Polarluft kommt, wahrscheinlich von irgendeinem Ort, an dem es sehr kalt ist, hergeschwommen. Sie hat Regen mitgebracht, Wind, ein paar Schneeflocken. Grimmig fühlt sich diese Kälte an und man ist gezwungen, wieder auf lange Unterhosen und zwei bis drei Lagen Pullover zurückzugreifen.

Das ist gemein, denn es war schon so schön warm. Aber irgendwie verliert das Wetter an Bedeutung, wenn die Welt so sehr Kopf steht. Man möchte sich gar nicht beklagen, wenn in Italien und Spanien und überall die Menschen sterben. Und doch: Kann es bitte wieder warm und schön werden? Ich brauche ein wenig Freude in dieser Zeit, bitte.

Das Alleinsein tut mir nicht gut. Immerhin habe ich heute eine Freundin getroffen. Wir sind zwei Stunden durch den Wald gelaufen und haben über dies und das geredet. Auch über die Liebe, die wir beide gerade sehr vermissen. Gerade jetzt. Jemanden, der da ist. Ein echtes Gegenüber. Einen Anker. Am besten einen gut küssenden Anker.

Meine Depression hockt in ihrer Ecke und wartet auf einen guten Moment, um hervorzuspringen und mir einen Schrecken einzujagen. Vielleicht möchte sie sich wieder gemütlich einrichten in meinem Herzen und in meinem Kopf. Sie hat gerade leichtes Spiel, ich bin überfordert mit meinen Kindern und ohne sie bin ich einsam. Das Hin und Her macht mürbe, aber gerade bin ich froh, dass die Drei jetzt bei ihrem Vater sind. Ich muss mich ausruhen. Die Depression, der schwarze Hund, sitzt da und knurrt.

Morgen wird sich zeigen, ob ich es schaffe, zu arbeiten. Ich will schreiben, ich habe zwei Projekte, die fertig werden wollen. Ich habe eine Romanidee. Ich werde sehr nett zu mir sein und sehen, ob ich etwas produzieren kann an einem kalten, windigen Märzmontag im Coronajahr 2020.