Karli-Mo

Im Juni 2005 kam ein kleines Mädchen auf die Welt. Es war heiß gewünscht und lang ersehnt, und doch brachte es mein Leben gehörig durcheinander. Das Karlchen wollte nicht gedeien, es wollte nicht einfach im Bettchen liegen und schlafen. Es lag lieber auf dem Bauch seines Vaters, der die Ruhe in Person war. Ich hingegen… Schweigen wir davon.

Ich war eine aufgeregte Erstmutter, ich hatte schmerzende Brustwarzen und zu wenig Milch und erst recht zu wenig Schlaf. Ich aß trockene Spaghetti aus dem Topf, weil ich mit Baby auf dem Arm noch nicht mal mehr zum essen kam. Ich erinnerte mich an den Satz meiner Hebamme: „Und Ihr könnt stolz sein, wenn Ihr es schafft, am Nachmittag geduscht zu haben.“ Ja. So war das.

Doch ich wuchs mit meinen Aufgaben, die Milch begann zu fließen, das kleine Mädchen bekam niedliche Pausbäckchen, schlief zwar immer noch grottenschlecht, aber war ansonsten hinreißend.

Karli-Mo, wie sie von uns zärtlich genannt wird, ist unser erstes Kind, unser Versuchskaninchen. Jeden ersten Schritt gehen wir mit ihr. Erste Eingewöhnung im Kindergarten, erster Wackelzahn. Erste Einschulung. Erste fiese Freundin, erste ernsthafte Erkrankung. Ach, so viele erste Male, und alles muss die Karli-Mo mit unerfahrenen Erstlingseltern erleben.

Und sie macht das toll! Sie ist geduldig, freundlich und lieb mit uns Eltern. Sie schimpft manchmal, weil sie weiß, dass ihre kleinen Geschwister sicher eher ein Handy bekommen werden als sie und eher lange aus bleiben dürfen. Sie bekam mit 11 ihren ersten Bikini, weil ich fand, Bikini sind was für Menschen mit Brüsten. Die kleine Schwester bekam ihren ersten Bikini mit 4.

Vor ein paar Tagen saß ich mit dem Karlchen hier in meiner Küche, und wir sprachen so über dies und das. Wir haben immer viel zu bereden, es geht um Essen, Bücher, Jungs (Männer), um den werten Herrn Vater und um die kleinen Geschwister. Leben halt.

Am Ende standen wir hier und umarmten uns und sie sagte die denkwürdigen Worte: „Wenn wir gleichalt wären, Mama, dann wären wir beste Freundinnen.“ Auf meinen Einwand: „Aber Du musst mich hassen, ich bin Deine Mama und Du bist in der Pubertät!“ sagte sie: „Wir sind eben die Gilmore Girls.“ Ich hoffe, dass dieses Kind weiter so fröhlich, herzenswarm und stark bleibt. Möge wer auch immer seine Hand über sie halten. Für immer.