Trocken

Hat ein feuchtes Schneckenterrarium bekommen und ist deshalb munter:
Eine Hain-Bänderschnecke, liebevoll Schnecki genannt.

Schon seit vier Wochen hat es nicht mehr geregnet. Noch im März hatten wir reichlich Niederschlag. Dicke Pfützen standen auf den Feldern, die Regenwürmer (ihr erinnert Euch vielleicht) suchten ihr Heil in der Flucht. Ich freute mich, denn ich weiß: Das Grundwasser muss nach dem trockenen Sommer und dem niederschlagsarmen Winter aufgefüllt werden.

Doch nun, schon viel zu lange: Blauer Himmel, Sonnenschein. Ich bin schon ganz braun, vor allem Hände und Gesicht, denn ich gehe jeden Tag mit dem Hund spazieren oder fahre mit dem Fahrrad durch die Natur. Im Garten habe ich umgestaltet, Frauenmantel, Lavendel und Schleierkraut kamen als Setzlinge im Topf aus der Gärtnerei und sollen nun in meinem kleinen Garten Wurzeln schlagen. Eine große alte Rose musste umziehen von ihrem Platz am Beetrand zu einer guten Stelle weiter hinten.

Ob das gelingen wird? Beim Herumbuddeln im Garten merkte ich schnell: Der Boden ist bis in die Tiefe ausgetrocknet. Betonhart, bröselig. Wie die Pflanzen es schaffen, aus dieser harten Masse Nährstoffe zu ziehen und weiter munter und grün dazustehen, ist mir ein Rätsel. Und ich frage mich, wie lange sie wohl noch durchhalten.

Die Wiesen sind noch sattgrün, überall Löwenzahn und erste Gräserblüten. Doch die Kartoffeläcker liegen staubtrocken unterm blauen Himmel. Hier und da bilden sich in den ruppigen Böen, die das Land noch mehr austrocknen, kleine Windhosen. Meterweit wirbelt der Staub in die Luft, kleine Blätter und Gestrüpp fliegen mit. Wäre ich Bauer, mir würde das Herz wehtun bei diesem Anblick.

Nun soll es morgen endlich, endlich regnen. Doch wird das reichen? Ich wünsche mir einen kräftigen, tagelangen Dauerregen. Tropfen, die nachts an mein Fenster klopfen, die Blasen auf Pfützen bilden und die sich in Rinnsalen sammeln und die Gräben zwischen Wiesen und Feldern füllen.

Dann wird die Flora explodieren: Die Pflanzen werden richtig wachsen, Zentimeter in wenigen Tagen. Die Wiesen werden dampfen, in den Wäldern werden die Moose sich mit Wasser vollsaugen und es wird nicht mehr rascheln, wenn ich spazieren gehe.

Und die Schnecken, die sich in ihren Häusern hinter einer dicken, festen Schleimschicht verschanzt haben, um der Trockenheit zu entrinnen, werden herauskommen und versuchen, meinen lieben Rittersporn zu fressen. Was ich verhindern werde.