Drama

Hase oder Eichhörnchen? Jedenfalls nicht mehr viel davon übrig.

Ich bin ja gegen das Jammern. Ich habe das in meiner Zeit in der Tagesklinik gelernt. Egal, wie depressiv ich war, am Ende des Tages sollte ich eine gute Sache benennen, die im Laufe des Tages vorgefallen war. Und ich fand tatsächlich meistens was. Mal gab es Pudding zum Nachtisch, mal war mir ein Mittagsschläfchen geglückt, manchmal war auch eine Therapiesitzung erhellend.

Jetzt nun: Corona. Und es gibt Sachen, die gut sind. Der Mai ist da. Draußen scheint die Sonne. Ich habe genug zu essen, die Kinder sind nett zu mir und ich zu ihnen. Nur manchmal gibt es Streit, wenn sie am Abend kichern und mit Dingen werfen wollen und ich schon im Feierabend-Modus bin. Uns geht es gut hier. Wir haben einen Garten, wir können uns gut leiden, wir haben ein gemütliches Zuhause.

Doch da fängt das Elend an: Nicht nur, dass ich meinen Job bei einem großen Hamburger Verlagshaus nicht antreten konnte, weil in diesen wirren Corona-Zeiten niemand mehr irgendjemanden anstellt, weshalb ich staatliche Unterstützung beantragen und einer wildfremden Behörde meine Kontoauszüge der letzten sechs Monate schicken musste, nein: Vor sechs Tagen hat mir mein Vermieter die Wohnung gekündigt.

Dem Vermieter habe ich erstmal um Fassung bemüht das Schreiben aus der Hand genommen und bin in meine Noch-Wohnung gegangen, aber hier kann ich es ja sagen: Ich fliege als dreifache, alleinstehende Mutter aus einer Wohnung, damit eine junge, alleinstehende Frau hier einziehen kann. Das nennt man Eigenbedarf. Was ist denn das bitte für ein Bedarf? Der Wohnungsmarkt ist tot im Moment, niemand zieht freiwillig irgendwo aus. Wo ich nun innerhalb von drei Monaten eine Vier-Zimmer-Wohnung finden soll, in der auch Hunde erlaubt sind, weiß der liebe Herrgott allein.

Ach, und dann stieß ich noch beim Spaziergang mit dem Hunde auf die Reste einer Mahlzeit. Eine Pfote lag da auf der Straße, sehr klein und sehr … allein. Vom Rest des Tieres war nichts mehr da, nur noch ein paar Fellbüschel hier und da verstreut. Dagegen nimmt sich meine Wohnungsnot sehr niedlich aus.

Also: Ich sende einen Wunsch ans Universum: Bitte ein Zuhause für mich, für meine tollen Kinder und den entzückenden Hund. Bitte.