Miststück

Ich wache auf, und die Depression hat neben mir geschlafen. Im Schlaf hat sie sich auf mich gelegt und ihr Speichel ist auf mein Kissen getropft. Ich erwache, und sie schmatzt und seufzt und hält sich mit ihren dürren Armen an mir fest, sie will mich noch ein bisschen in den Kissen halten, in diesem Lager, in dem es nach schwarzen Gedanken und abgestandener Luft riecht.

Ich beginne meine Tage mit der Depression auf meinen Kissen. Auch, wenn ich aufgestanden bin, ist sie da. Sie schmiegt sich von hinten an mich. Die Depression ist ein altes Weib, ich spüre ihre schlaffen Brüste an meinem Rücken, ihre spitzen Beckenknochen bohren sich in mein Gesäß. Ganz langsam diffundiert ihr alter Leib in meinen hinein. Ich werde sie, sie wird ich. Der Atem stinkt nach Bier und kalten Zigaretten, wenn mir die Depression ihre Weltsicht ins Ohr haucht: Wo soll es hingehen? Alles ist hoffnungslos. Wozu sich anstrengen? Es ist doch umsonst. All die Dinge, um die ich mich kümmern müsste – ich lasse sie liegen, es ist zu viel.

Die Depression, das alte Miststück, heftet sich an meine Fersen, wenn ich mit dem Hund gehe. Sie legt sich bäuchlings auf die Straße und hält sich an meinen Füßen fest. Jeder Schritt schmerzt, ist so schwer. Die Strecke um den Tümpel, die sonst so kurz ist, erscheint mit der Depression an den Hacken wie ein böser, schmerzhafter Marathon.

Die Wolken stehen still am Himmel. Sie haben sich ans Blau geschmiegt, als würde eine Glasglocke über mir stehen, die alles Gute, Feine und Schöne von mir fernhält. Gleichgültig scheint die Sonne von diesem Glasglockenhimmel, bösärtig bläst mir der Wind die Haare ins Gesicht.

Nicht alle Tage sind so. Die Depression hat wohl noch andere Freunde, die sie besuchen muss. Ich werde ihr davonlaufen. Eines Tage. Ganz bestimmt.