Warm

Der Tag fing mit Nebel und Kühle an. Grauer Himmel, graue Schleier über den Wiesen. Tröpfchen an den Grashalmen, nasse Schuhe beim Spaziergang. Der Hund mag das Wetter, weil alles mehr riecht als sonst. Er hat die Nase am Boden und jagt Fährten nach. Hierhin, dorthin. Dann sieht er, dass ich einen Stock aufgehoben habe, bellt, rennt, will spielen.

Überall blüht der Holunder, an den Hortensien erste kleine Blütenrispen. Die Luft ist schwer wie in einer Opiumhöhle, als die Sonne anfängt, die Feuchtigkeit wegzuheizen. Ein ganz spezieller Geruch aus Blüten, Grün und Warm hängt zwischen den Bäumen am Teich.

Der Hund springt hinein, Kinder haben sich ein Floß gebaut, es liegt am Rand und ist schon halb versunken. Bretter, Sitze, kleine Kanister für den Auftrieb. Die Kaulquappen haben schon zwei Beine, sie werden richtig dick und stieben auseinander, wenn wir kommen.

Wir essen Hefeklöße mit Erdbeeren und Vanillesauce. Sommeressen. Ein riesiger Berg Klöße verschwindet in unseren Bäuchen.

Dann gehe ich in den Garten, die Möhren wollen verzogen werden, das Unkraut wächst nach dem gestrigen Regen eifrig unter den Salat. Die „Drei Schwestern„, sind jetzt komplett, ich habe heute die Bohnen zum Mais gesät.

Am Abend hat die Sonne alles aufgewärmt, der Nebel ist fort, der Himmel ist blau und wolkenlos. Es ist der erste richtig warme Sommerabend. Ich sitze in meinem Garten und trinke ein Glas Wein.