Den Teufel auf den Fersen

Als Mädchen las ich ein Buch des Ausnahmesportlers Louis Zamperini. Er nahm 1936 an den Olympischen Spielen in Berlin teil, geriet als US-Soldat in japanische Gefangenschaft und fand nach seiner Freilassung nur schwer ins Leben zurück. Er rannte und rannte, und das tue ich jetzt auch.

Mag so vieles in meinem Leben gerade schief und außer Kontrolle sein, ich ziehe alle zwei Tage tapfer meine schönen neuen roten Laufschuhe an und laufe. Die Dorfstraße hoch, was fies ist, weil die ein Stück bergauf geht. Um das neue Weizenfeld, an der Landstraße entlang. Der Hund ist immer dabei, schnüffelt und findet Schätze. Neulich war es das Bein eines Rehs.

Ich laufe am Spargelfeld vorbei, wo die Erntehelfer die allerletzten Stangen zur Sonnenwende ernten. Weiter am Wäldchen entlang, links wachsen Rüben, rechts Mais. Es zieht in den Muskeln, mein Atem findet seinen Rhythmus. Sch-sch, sch-sch-sch.

Ich laufe immer die selbe Strecke, ein Stück rein ins Dorf, wieder raus, bis zu einem großen Grasbüschel, das auf dem Weg nach Diahren mitten auf der Straße wächst. Dann habe ich es fast geschafft. Hier wende ich und laufe zurück. Bis zum Ortsschild. Und fertig.

Das Laufen gibt mir ein Gefühl der Selbstermächtigung. Es gibt eine Sache, die gut läuft: Das Laufen. Ich bin stolz und ich kann schon bald eine halbe Stunde durchlaufen. Mein Teufel ist die Depression. Ich laufe ihr einfach davon.