Sommer

Im Wald bei Metzingen, versteckt hinter einer Wegbiegung, wächst eine Gruppe Fingerhüte. Dutzende Pflanzen, mannshohe Blütenkerzen in pink, lila und weiß. Still ist es hier, nur die Mücken surren und stolz stehen die Fingerhüte da. Wie ein kleines Wunder ist das. Wo kommen die alle her?

Auf der Straße dreht sich eine Daune im Wind. Flauschig weiß spielt sie und kurvt mal hoch, mal runter über dem warmen Asphalt. Minutenlang geht das Spiel, dann trägt der Wind die Feder fort auf eine Wiese.

Die Kirschbäume hängen voller Früchte. Die Stare hocken in den Obstbaumalleen und schwatzen mit vollen Backen. Überall auf den Milchstraßen liegen Häufchen von irgendeinem Tier. Schwarzrot und voller Kirschkerne. Wer frisst die Kirschen mit Kern? Ein Waschbär?

Im Waldbad in Wittfeitzen ist bis zum Einbruch der Dunkelheit Betrieb. Die Mitglieder des Vereins dürfen hier schwimmen, wann immer sie möchten. Es ist ein Geschenk, nach einem schwülen Sommertag die Beine noch mal ins kühle Becken zu halten. Die Kinder planschen und spritzen und springen mutig vom Dreimeterbrett.

Morgens gehe ich in den Garten und pflücke die letzten Erdbeeren und die ersten Himbeeren für mein Frühstück. Abends dann ernte ich Salat, Erbsen und Lauchzwiebeln. Ich bin stolz auf die dicken Salatköpfe, im März habe ich zarte Pflänzchen ins frisch gedüngte Beet gesetzt, und nun freue ich mich über die reiche Ernte.

Morgen soll es kühler sein, und dann kommt der Siebenschläfer. Ich wünsche mir, dass die alte Bauernregel sich in diesem Jahr irrt. Ich wünsche mir von Herzen einen langen, warmen Sommer. Mit einem Regenguss hier und da.