Schnüffelstück

Ich fuhr gerade eben mit meinem Fahrrad durch die wendländischen Wiesen und Felder, neben mir trabte der Hund. Der Wind blies munter auf den Flaschenhälsen der Bierflaschen, die meine Freundin Nadja und ich gerade geleert hatten. Rothaus Tannenzäpfle, ein hervorragender Tropfen. Es ist lustig, durch die Wiesen zu fahren, während aus der Satteltasche ein tiefes „huuuuuuh“ kommt und man einen leichten Schwips hat.

Überhaupt hat das Leben mal wieder lauter lustige Sachen für mich parat. So helfe ich neuerdings im Büro der Zimmerei und Tischlerei Holzvolk aus. Die Frauen und Männer vom Holzvolk sind gefragt im Wendland, sie machen richtig gute Arbeit und haben vor allem Stil. Allein das Mitarbeiterklo … wow. Ich bin sehr gerne dort, nicht nur auf dem Klo sondern auch an meinem Arbeitsplatz. Dort sortiere ich Rechnungen und dabei habe ich Spaß – ja! Denn die Handwerkerwelt hat so manche lustige Vokabel parat. Die ernsthaften lerne ich brav auswendig, ich will ja nicht doof dastehen. Aber die lustigen schreibe ich jetzt hier auf.

  1. Rüttelpatsche. Was sich anhört wie eine Mischung aus jemanden durchschütteln und ihm gleichzeitig links und rechts eine ballern ist in Wirklichkeit ein Brett mit einem Stil. Das Brett wird mit rüttelnden Bewegungen über eine frisch gegossene Betonplatte geschoben. So wird alles schön glatt und verdichtet. Die Luxusversion der Rüttelpatsche hat sogar einen Motor!
  2. Gleitmittel für KG-Rohre. KG-Rohre sind orange-braune Plastikrohre. Sie werden draußen verlegt, und damit man sie gut übereinanderschieben kann, gibt es eben ein Gleitmittel. Auch Muffenstopfen rutschen so schön auf s Rohr.
  3. Fummelbrett. Ein Fummelbrett ist ein kleines Reibebrett, das Maurer benutzen, um besonders „fummelige“ Ecken schön glatt zu verputzen. Es ist an einer Seite ein bisschen angeschrägt, damit man gut in die Ecken kommt.
  4. Mein Liebling ist das Seminar: „Luftdicht, Winddicht, Dampfdicht“. Ich weiß nicht warum, aber der Titel hat etwas geheimnisvolles und verlockendes. Als würde das Leben endlich rund laufen, wenn das Haus endlich dampfdicht ist.

Jan und Isi reiten meine Albernheiten gelassen ab und erklären geduldig den Unterschied von einer Schraube mit Senkkopf zu einer Schraube mit Linsenkopf. Ich weiß jetzt auch, wie man checken kann, ob eine Wasserwage noch im Lot ist. Dazu muss man einen Umschlag machen! Ha!

Das Schnüffelstück ist übrigens ein kleines Ding, mit dem man Gase (auch Luft) aus geschlossenen Systemen, zum Beispiel einer Heizung, ablassen kann. Es wird auch „selbsttätiger Entlüfter“ genannt. Es gibt das kleine Ding, das eigentlich erst mit dem „Werner-Film“ berühmt wurde, also wirklich. Und es gehört unbedingt auf meine Liste!