Sommersachen

Heute beim Laufen im Regen kreuzte eine kleine Schnirkelschnecke meinen Weg. Es gibt sie hier zu Hauf, aber heute konnte ich mich bei ihrem Anblick genau an den Zauber erinnern, den eine solche Schnecke auf mich ausübte, als ich ein kleines Mädchen war. Das helldunkel geringelte Haus, die zielstrebig ausgestreckten Fühler. Das kühlfeuchte Gefühl, wenn so ein Tierchen über meine Hand kroch. Ich erinnere mich an Schneckenrennen, die wir im Kindergarten veranstaltet haben. An Weckgläser, die wir mit Steinen und Blättern zu Terrarien ausgestattet haben.

Der Sommer machte heute kurz Pause. Morgen geht es weiter mit Sonnenschein und reifem Korn und Schwimmbad und Eiscreme. Wir haben Hochsommer, die Mähdrescher sind überall auf den Feldern, und nach ihnen kommt die Ballenpresse und macht Quader oder Rundballen aus dem Stroh. Die Stoppelfelder sehen aus wie Spielfelder von Riesen, die ihre Murmeln nicht aufgeräumt haben.

Der Mais muss noch wachsen. An den Feldrändern kann ich genau sehen, wo die Eichen ihre Wurzeln unter der Straße hindurch bis weit ins Maisfeld schieben. Hier sind die Pflanzen viel kleiner. Der Mais steht ohne Eichen mannshoch, in diesem Sommer hat es genug geregnet. Ich habe von Kindern gehört, die in einem Maisfeld Verstecken gespielt und über Stunden nicht mehr hinausgefunden haben.

Auf den abgeernteten Feldern sammeln sich die ersten Kraniche. Mit langen Hälsen fliegen sie dann über die Straße und unterhalten sich leise krächzend. In den Wäldern versteckt, an Weihern und Tümpeln, haben sie ihre Jungen herangezogen, nun sind sie frei. Der Hund schaut ihnen sehnsüchtig hinterher. Nie wird er einen Kranich erhaschen, nie.

Die Zwetschgen und Äpfel sind noch grün, aber wir werden eine gute Ernte haben. Vor uns liegt noch der ganze August, mit heißen Sommertagen, lauen Nächten, mit Mückenstichen und der unvergleichlichen Duftmischung von Seewasser, Sonnenmilch und Luftmatratze.