Land

Wir waren gestern im Freibad. Das Freibad in Groß Wittfeizen ist ein Kleinod: Eingebettet in einen Kiefernwald, von einem Verein liebevoll zum Naturbad umgebaut. Keine blauen Kacheln, kein Chlor, stattdessen Holzstege und grünes, klares Wasser, das nach See duftet und ein paar Schilfbeete, die das Wasser klären. Wir kommen gern her und wir sind Vereinsmitglieder. Das heißt: Wir können morgens, mittags abends, so wie gestern, einfach noch mal ins Wasser hüpfen.

Zum Freibad gehört ein kleiner Kiosk. Hier gibt es natürlich Pommes, aber auch Bratkartoffeln mit Sauerfleisch aus heimischem Wildfleisch. Dazu Limo, große Gläser mit Süßigkeiten, Eiscreme. Die Betreiber sind nett, sie kommen aus dem Dorf und kümmern sich liebevoll um die Anlage. Als wir gestern unsere Pommes Frites im Garten vor dem Kiosk aßen, gab es einen kleinen Tumult: Ein Vogeljunges war aus dem Nest gefallen und lag auf den Betonplatten vorm Kiosk. Es lebte noch. Die Umstehenden schauten traurig und schockiert auf das kleine blaurosa Häuflein Leben, das da lag. Was tun?

In Kinderköpfen kommt an so einer Stelle die Idee von einem kleinen Schächtelchen, das, mit weichen Tüchern ausgepolstert, das Zuhause des Vogelbabies wird. Fliegen fangen, Würmer suchen und am Ende einen sehr niedlichen zahmen Vogel haben, der auf der Schulter sitzt und der beste Freund wird.

Der Kioskbetreiber schaute mitleidig auf das nackte kleine Ding und sagte: „Das atmet ja noch! Das quält sich ja nur!“ Er ging um die Ecke, holte einen großen Aschenbecher und drückte ihn auf das Tier. Behutsam, fast zärtlich tötete er das kleine Vögelchen. Und schon war ein sehr, sehr kurzes Leben zu Ende.

Wir aßen unsere Pommes, tranken unsere Cola und schwiegen. Wir hätten wohl sicher nicht genügend Fliegen und Würmer gefunden für das kleine Ding.