Zimt und Curry

Wir haben Erntezeit im Wendland, immer noch. Das Getreide ist längst runter, aber es sind noch viele Kartoffeln in der Erde, und die Roder schieben sich gemächlich über die Äcker, während obendrauf die Ernteleute stehen und sortieren: Steine, Unkraut, halbtote Kröten (ja, leider!) und sonstiger Kram raus, die schönen gelben Kartoffeln dürfen weiterfahren und landen am Ende auf dem Anhänger, der sie in die Stärkefabrik oder die Lagerhallen fährt. Dann sind da noch die Rüben und der Mais. Im Mais verstecken sich die Wildschweine, manchmal knackt und rülpst es bedrohlich, wenn ich mit dem Hund dran vorbeimarschiere.

Auf manchen abgeernteten Schlägen wächst schon das Wintergetreide, und das sieht wunderschön aus. Ganz zartgrün und brav in Reihe wachsen da die Halme, die erst im nächsten Sommer dicke Ähren tragen werden. Alle Jahreszeit hat ihren eigenen Zauber.

Wie gut, dass der Herbst mich in einem neuen, gemütlichen Zuhause erwischt. Jedes Kind hat sein Zimmer, wir haben eine große Küche und mein Zimmer fasst nicht nur mein Bett sondern auch noch ein großes Sofa. Einst wohnte eine Raucherin in dieser Wohnung, und bis vor kurzem roch es hier nach altem Rauch. Jedesmal, wenn ich die Wohnung betrat, schlug mir dieser Geruch entgegen.

Doch so langsam gibt die Wohnung auf und schmiegt sich an uns wie ein alter Handschuh. Ich koche gern mit Cumin, mit Curry und Koriander, und ich trinke gerne Gewürztee. Und als ich heute nach Hause kam, duftete es nach Zimt und Curry, wie herrlich. So langsam komme ich an.