Wurst

Wir alle wissen: Eine fleischarme, abwechslungsreiche Ernährung tut uns gut. Viel Gemüse, viel Eiweiß in Form von Hülsenfrüchten, Vollkorn, viel trinken, und zwar nicht nur Bier, ja, all das ist gut für den Körper und vielleicht … nee, für die Seele ist das nüscht.

Weil ich gern steinalt werden möchte (Leben ist geil!) und weil ich überhaupt gern Gemüse esse, fällt es mir nicht schwer, an den meisten Tagen im Jahr vernünftig zu leben. Doch ich habe ein schlimmes Laster. Ich liebe Wurst.

Daran schuld sind auch Jan und Isi vom Holzvolk, bei denen ich an drei Tagen in der Woche das Büro schmeiße. Die Zimmerermeister und ihre Gesellen sind rechte Handwerker. Sie arbeiten körperlich hart und deshalb, und weil es gut schmeckt, stehen zum Frühstück zünftige Speisen auf dem Tisch. Kräftiges Brot, natürlich ein Pott Kaffee und dazu Wurst und Schmalz und Käse. Manchmal nehme ich mir ein Müsli mit und mampfe tapfer Körner, während die Männer ihre Wurstbrote schmausen. Oft jedoch werde ich schwach und labe mich an Fleischsalat (dass sowas „Salat“ heißen darf ist überhaupt ein Ding!), Salami und Bierschinken. Dieses Gefühl, den Bauch voll mit Wurst zu haben, ist unbeschreiblich. Ich fühle mich stark und satt und zufrieden. Aber all das Fett! Und die armen Tiere. Ach.

Am Dienstag fuhr in die Großstadt und kaufte mir auf dem Weg ein Mettbrötchen. Ein Weißmehlbrötchen mit fettem Mett und Zwiebelringen. Ich aß es während ich das Auto lenkte und jedes Mal, wenn ich auf ein Zwiebelstück biss, jubelten meine Geschmackspapillen. Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Ich bin ein Tiermörder und meine Arterien werden verkalken. Ich geh mir mal ein Bier aufmachen.