Bilanz

Ich habe vier Playlisten auf meinem Telefon. Für jede Jahreszeit eine. Es ist sehr spannend, nach dem Herbst in die Winterplaylist hineinzuhören. Die Stücke erzeugen beim Anhören die Stimmung, die im letzten Winter herrschte, sie bringt Menschen zurück in meine Erinnerung, die im Winter mit mir waren und es nicht mehr sind. Intensiv und gut. Ich mag das.

Die Winterplaylist lässt mich nachdenken über das vergangene Jahr. Es begann mit Arbeitslosengeld II und der Information, dass ich meine Wohnung verlassen muss. Es begann aber auch mit einem Buchprojekt, mit einer ausgeheilten Depression und vielen Freunden.

Wir haben 2020 die Corona-Pandemie erlebt, ich war viel zu Hause mit meinen Kindern und wir haben das sehr gut geschafft. Homeschooling macht mir sehr viel Freude, ich hätte keine Angst, dass meine Kinder dumm sterben, wenn die Schulen schließen.

Ich habe im Jahr 2020 einen neuen Herzensmenschen gefunden. Ich habe meine Freundschaften weiter ausgebaut. Dass so viele spannende, kluge und interessante Menschen in meinem Leben sind, macht mich dankbar und spornt mich an, eine gute Freundin, ein guter Mitmensch zu sein.

Ich habe ein Buch geschrieben. Und egal, ob das Buch sich gut verkaufen wird oder nicht (wird es nicht, es ist ein totales Nischending), ich bin so stolz. Ich hab’s echt gemacht! Die Kritik wird sich für mein Büchlein nicht interessieren, nur die liebe kleine Elbe-Jeeztel-Zeitung wird es ankündigen, was mich sehr freut.

Ich habe eine neue Arbeit gefunden beim von mir heißgeliebten Holzvolk, so gern gehe ich dort hin und sortiere Sägeblätter und Schrauben und Rauhspundbretter nach Kategorien und höre den Chefs dabei zu, wie sie ihre Baustellen besprechen. Es ist eine wunderbare Arbeit.

Ich habe ein gutes Zuhause für meine Kinder gefunden und ich habe daraus ein gemütliches Nest gemacht. Ich komme sehr gern hierher, ich schlafe gern in meinem Bett und ich koche so gern in meiner schönen und gemütlichen Küche.

Es war ein hartes Jahr, es war ein gutes Jahr. Der Dezember hat angefangen, machen wir ihn zu einem guten letzten Monat. Halten wir unsere Lieben, feiern wir das Leben, das wir haben.

One Comment

  1. kerstin

    liebe vivian …
    ich lese deine beiträge so gern ?. so schön und liebevoll geschrieben! mein jahr war irgendwie gar nicht gut! die pandemie hat mir dabei nix ausgemacht, so ein einsiedler wie ich bin. aber die gesundheit meiner mutter hat mir sehr zu schaffen gemacht und macht es noch. für sie war die pandemie natürlich furchtbar, weil sich ihre kontakte automatisch nur auf mich reduziert haben. gerade heute waren wir wieder im krankenhaus … es kommt einfach immer wieder noch etwas neues oben drauf. meine mutter hängt an ihrer unabhängigkeit und zerrt dabei so sehr an mir, dass ich manchmal nicht mehr weiß wie ich das schaffen soll ?. … denke oft an dich … besonders, wenn ich deine feinen texte lese.
    (werde mir dein buch kaufen!)
    ganz liebe grüße, kerstin ♥️.

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