Im Dunkeln laufen

Irgendwann im Frühling habe ich angefangen, zu laufen. Ich werde älter, am Bauch und an den Hüften setze ich kleine Speckröllchen an, die zwar ihren Charme haben aber bitte nicht größer werden sollen. Auch gegen miese Stimmung und kalte Füße hilft eine kleine Laufrunde super.

Ich laufe alle zwei Tage fünf Kilometer. Das ist eine kleine Runde aus Gülden raus nach Glieneitz, durch den Wald, am Petersilienfeld vorbei bis zu den Pferdewiesen. Dann drehe ich um und trabe wieder zurück. Manchmal schlurfe ich auch, es kommt auf meine Verfassung an.

Auf dem letzten Kilometer steigt der Weg stetig an, nur ein bisschen aber gemein lang, und ich gerade jedes Mal ins Schnaufen und finde es eigentlich eine ziemliche Zumutung, dass der Weg so ansteigt. Am Ende, echt, wer hat sich das denn ausgedacht?

Heute konnte ich auf Grund von Kinderkram und Einkaufen und so weiter erst gegen halb fünf am Nachmittag laufen gehen. Da war es schon dunkel, es schneeregnete und Nebel lag auf dem Dorf. Ich zog mich also nansenhaft warm an, Mütze, Handschuhe, Stirnlampe und lief los, den Hund natürlich bei Fuß.

Es war ein ganz besonderer Lauf, weil der Nebel ganz dicht war. Ich konnte bis zu meinen Fußspitzen sehen, nicht weiter. Und so verschob sich meine Perspektive, ich wusste nie so richtig, wo ich gerade war. Nur die mechanische Stimme meiner Lauf-App zählte die Kilometer. Am Ende kam ich an dem fiesen Berg an und lief ihn einfach rauf. Ich konnte die Kuppe nicht sehen, ich konnte die Steigung nicht sehen, ich lief. Und ich fand es nicht schlimm.

Es ist so: Kleine Schritte, wenn eine Aufgabe vor uns liegt, die schwer oder groß erscheint. Immer hübsch einen Fuß vor den anderen setzen. Nicht so sehr auf die Bergkuppe achten, nur Fuß vor Fuß. Irgendwann ist man oben.