Winter

Es ist kalt. So kalt, dass der Schnee knirscht, wenn ich auf ihm spaziere. Der Ostwind beißt mir grimmig in die Wangen, nur im Wald lässt er von mir ab. Die Bäume lassen froststarres Knacken hören, während oben ihre Wipfel hin und her fahren. Die Vögel, diese winzigkleinen Federbälle, hängen im Vorgarten an den Meisenringen. Sie müssen gegen die Kälte anfressen, gleich bei Sonnenaufgang finden sie sich vor meinem Küchenfenster ein. Für sie, für alle Wildtiere, geht es ums Überleben.

Draußen auf dem Feld haben die Krähen einen Vogelkadaver auseinander gepflückt. Im Umkreis von zehn Metern ist der Schnee blutbespritzt und übersät mit grauschwarzen Federn. Der aufgebrochene Körper liegt auf dem Rücken, das Brustbein ist abgenagt, von den Eingeweiden ist nichts übrig, auch der Kopf fehlt. Der Hund schnüffelt aufgeregt, aber der tote Körper stinkt noch nicht genug, um interessant zu sein.

Ein Stück weiter haben Rehe den Schnee zur Seite gekratzt und die Halme des Wintergetreides gefressen. Sie finden keine Nahrung jetzt, der Schnee ist angetaut und wieder gefroren und hat eine harte Kruste angesetzt. Ob die Jäger und Förster jetzt zufüttern? Ich kenne die Futterstellen nicht, aber ich denke, die wird es geben, mitten im Wald.

Ab morgen soll es tauen. Bald ist der kalte Februar vorbei, bald werden die Schneehaufen tauen und die Sonne wird vom Frühlingshimmel lachen. Ach.

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