Frauentag

Von Karl Maria Stadler (1888 – nach 1943) – Scan from an old book, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6372383

Heute ist internationaler Frauentag. Der achte März wurde in der DDR groß gefeiert. Ich erinnere mich an meine Mutti, die mit roten Wangen und etwas verschwitzt spät am Abend nach Hause kam. Sie hatte mit ihrem Kollektiv im VEB Lampen in Neustadt ein bisschen gefeiert. Es gab süßen Sekt und ein Likörchen und eine Rede vom natürlich männlichen Leiter der Abteilung.

In meiner Erinnerung waren Frauen in der DDR zwar selbstbewusst und finanziell unabhängig, weil viele von ihnen einen Vollzeitjob hatten. Die Care-Arbeit in der Familie, das Versorgen des Haushalts und der Kinder, oblag aber dennoch ihnen. Es gab einmal im Montag einen „Haushaltstag“, da hatte meine Mutter „frei“, damit sie zu Hause mal so richtig reinemachen konnte. In Wirklichkeit hat sie da nur ein bisschen geschafft und mich schon Mittags aus dem Kindergarten abgeholt, es waren die Glanzmomente meiner Kindheit als unglückliches Kindergartenkind.

Auch heute noch sind viele von uns weit weg von wahrhafter Emanzipation. Hier auf dem Lande gibt es schauderhaft schlechte Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Spätestens um zwei stehen die Rangen zu Hause vor der Tür und haben Hunger. Und wer ist dann zu Hause? Die Mama, klar, weil der Papa ja so viel mehr Geld verdient. Das ist ungerecht, das ist vorsintflutlich und auch volkswirtschaftlich nicht besonders klug.

In Sachen Sexualität sieht es leider nicht viel besser aus. Nimmt eine Frau sich, was sie möchte, ist sie unanständig, leicht zu haben oder im besten Fall „frech“. Ein Mann, der durch die weiblichen Betten marodiert, ist ein toller Hecht. Noch immer fällt es vielen Frauen schwer, den eigenen Körper so anzunehmen wie er ist. Mit Röllchen, Dellen, Falten, Runzeln. Alles unsere Landkarten gelebten Lebens, vielleicht geborener Kinder oder durchstandener Krankheiten. Schwer auch, zu sagen, was Frau mag oder nicht.

Ich wünsche mir für alle Frauen der Welt eine gerechte Verteilung von Löhnen, vernünftige Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, damit jede Familie die Wahl hat, wer sich um die Aufzucht der Brut kümmern soll: Vater, Mutter oder doch der Kindergarten mit ausreichend Personal und fortschrittlichem pädagogischen Konzept. Ich wünsche mir ein modernes Frauenbild, das nicht versucht, Männer und Frauen gleich zu machen, denn das sind wir nicht. Wir sind nur nicht schwach oder dumm oder klein.

Heute stelle ich mich mit meinen Töchtern vor den Spiegel und dann freuen wir uns an unserer Weiblichkeit. An unserer Kraft, unserer Liebe zum Leben und zu den Menschen.