März vorbei

Der März hat seinem Ruf, der November des Frühlings zu sein, alle Ehre gemacht, sieht man mal von drei bis vier Sonnentagen ab. Auch der April ist kalt, er ärgert mich mit Schnee und kaltem Wind, der mir an Jacke und Mütze rupft und die kalte Luft in meinen Kragen pustet. Ich gehe dennoch jeden Tag eine lange Runde durch den Wald, fällt mir nicht ein, klein beizugeben.

Mein Waldspaziergang ist eigentlich ein langer Rundweg um zwei große Ackerflächen. Im letzten Jahr wuchsen hier Kartoffeln und Getreide. Im Winter dann Ölrettich, der inzwischen abgemäht und und untergepflügt wurde. Nun liegen die Felder nackt unter dem grau-blauen Aprilhimmel. Ich bin gespannt, was in diesem Jahr kommen wird. Am liebsten Gerste, sie ist mein Lieblingsgetreide. Weil die Ähren so lange Grannen haben, sieht ein Gerstenfeld aus, als trüge es ein Fell. Wenn der Wind darüberstreicht, wogt das Gerstenfell in Wellen und das ist wunderschön. Im Frühsommer ist die Gerste hellgrün und weich, später dann verfärbt sie sich sonnengelb und später ocker, und immer sind da diese langen Grannen. Ich liebe Gerstenfelder.

Im Moment ist aber erstmal pflügen und säen dran, und das kann zu abenteuerlichen Situationen führen. Als ich nämlich neulich meine Runde machte, war auf einem der Äcker hektische Aktivität. Drei Schlepper hatten sich auf der anderen Feldseite festgefahren. Erst einer beim Pflügen, dann die beiden anderen offensichtlich bei den folgenden Befreiungsversuchen. Ich sah aus der Ferne eilig herumlaufende Männer, hörte aufgeregtes Rufen. Ich mag diese Stimmung. Ich spüre das elektrisierende, das die Bauern umgibt, wenn sie arbeiten. Das ist im Frühling so, wenn die Saat in die Erde muss und das ist im Herbst so, wenn die Ernte eingefahren wird. Das Korn muss vor dem Regen vom Halm, das ist immer betriebsam und hektisch.

Na, jedenfalls die Schlepper. Als ich am Ende meiner Waldrunde zu dem Feld kam, steckten sie immer noch bis zu den Achsen in der schlammigen Erde. An der Stelle hat das Feld eine Senke, in der sich wohl das Wasser gesammelt hatte. Als ich mich neugierig auf den Acker wagte, um die Lage zu begucken, sank auch ich bis zu den Knöcheln ein. Der junge Fahrer, der auf seinen Chef wartete, lachte und rief: „Ja, is n büschen nass hier!“ In der Tat.

Bauer Pröhl aus Zernien, der die Flächen beackert, kam dann aber mit einem Teleskoplader angefahren und zog einen Schlepper nach dem anderen aus dem Matsch. Mit ein bisschen Gefühl im rechten Fuß (oder in der rechten Hand, die Dinger werden ja auch per Joystick gesteuert) lief das ganz einfach. An der Stelle erinnert nun eine große Matschpfütze an all die Aufregung. Der Rest des Feldes ist bestellt, ich bin gespannt, was hier im Sommer wachsen wird.