Es ist, was es ist

Gestern hatte der Hund Geburtstag. Fünf Jahre ist sie nun bei uns, die süßeste, beste, zärtlichste und geduldigste Person der ganzen Familie. Ihr mattschwarzes Fell, ihre Lakritznase, ihre braunen, sanften Augen und ihr muffiger Geruch erfreuen uns jeden Tag aufs Neue. Ohne sie wäre ich verloren gewesen in der Zeit der Verzweiflung und Trauer. Noch heute darf sie in meinem Bett schlafen, weil es so tröstlich ist, diesen schwarzen, schnarchenden Haufen Wärme neben mir zu spüren. Ich frage mich oft, ob ich ein bisschen verrückt bin, weil ich dem Köter erlaube, bei mir zu schlafen. Aber am Ende vom Tag: Wen interessiert es schon?

Wir leben in unserer Wendland-Blase vor uns hin. Die Inzidenz für dieses vermaledeite Virus liegt, nachdem sie um die Ostertage bei hoffnungsvollen 40 war, nun bei knapp 100. Ein Cousin im fernen Berlin ist an Corona gestorben, zwei weitere Verwandte laborieren an den Folgen herum. Ich wünsche mir von Herzen, dass meine Kinder gesund bleiben, dass der Vater meiner Kinder verschont bleibt und natürlich möchte auch ich nicht erkranken. Niemand möchte krank werden, niemand möchte halbnackt auf dem Bauch liegend an eine Beatmung angeschlossen daliegen. Ach. Es ist ein Elend.

Heute war ich beim Holzvolk arbeiten. In der kleinen Zimmerei scheint die Welt in Ordnung. Es wurden Schilder aufgehängt, die an das Masken-Tragen und ans Abstand-Halten erinnern. Wir tragen Masken, wir waschen uns die Hände, wir halten Abstand. Dennoch ist die Stimmung an Bord gut. Die Baustellen laufen weiter. Das Büro läuft. Und wenn draußen ein lautes Rufen zu hören ist, prägt der Chef das unvergesslich tolle Paradoxon von der Brüllmeise, das mich seither durch meinen Tag begleitet und mir die Stunden versüßt. Ich liebe meine Arbeit in der Zimmerei. Es ist nicht nur Tabellen füllen und Blätter abheften. Es ist Ständerwerk und Lachen und Lernen.

Am Ende ist es so. Wir leben. Das Virus ist hier. Vielleicht wird es irgendwann fort sein. Ich wünsche es mir sehr. Dann werde ich umhergehen und fremde Menschen umarmen und küssen, einfach, weil ich es kann.

2 Comments

  1. Ulrike Voigt

    liebe vivian, heute schreibe ich dir auch einmal. die idee, die schon zu bauhauszeiten propagiert wurde, doch bitte alles klein zu schreiben, kommt mir seeehr entgegen, wo ich doch an manchen stellen sooo faul bin.
    eben habe ich gedacht, dass ich dir nicht schreiben brauche, dass ich bei dem bild von wilma dahingeschmolzen bin- aber doch, ich will und muss es dir schreiben, weil du ja deinen post quasi erstmal in ein großes schwarzes loch hinaus schickst und dich dann vielleicht (bestimmt!) auch darüber freust, wenn du zurück gemeldet bekommst, dass du es mit solch „kleinen“ dingen schaffst, menschen, mir, ein breites lächeln ins gesicht zu zaubern.
    ich lese übrigens immer sehr gern in deinem blog und freue mich sehr, wenn es neues von dir zu lesen gibt. das wollte ich auch schon seit längerem mal an dich los werden.
    im übrigen habe ich mal irgendwo gelesen oder gehört, dass menschen, die mit (haus)tieren zusammen leben, ein besonderes gen in sich tragen, das sie einmal mehr widerstandsfähiger macht. wenn das nix ist!
    und nun kommt noch der spruch des tages! bitte sprich ihn laut vor dich hin! gesprochen ist er schöner als geschrieben und ich könnte mich immer wieder über ihn bekringeln:
    EGAL WIE DOOF DEIN GEGENÜBER IST- GEGENÜBER VON CALAIS IST DOVER!
    sei herzlichst gegrüßt von deiner „alten“ nachbarin ulrike aus schlanze und vielleicht trinken wir ja mal wieder ein bier zusammen oder stricken…….

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