Roller Coaster

Ich sitze in meiner Küche und vor meinem Fenster hüpft ein Vogel herum. Er sammelt Material für sein Nest. Ich weiß nicht, was für ein Vogel das ist. Er ist klein und grau und hat eine schwarz-weiße Musterung. Hübsch sieht das aus. In seinem Schnabel hat er Federn und Moos gesammelt und das lässt ihn aussehen wie Abraham Lincoln. Er hat einen Backenbart, der kleine Vogel.

Der Frühling ist ruppig in diesem Jahr. Wir haben es windig und sonnig und kalt und ab und zu wirft der Himmel Hagel und Schneeregen auf uns. Aber die Vögel singen dennoch und auch die Magnolienbäume lassen es sich nicht verdrießen. Ihre rosa-weißen Knospen sprengen allerorten in den Vorgärten die pelzigen Blütenkapseln. So wunderschön anzusehen, so voller Lebensfreude und Kraft.

Wen kümmert es, dass der Magnolienbaum den Rest des Jahres einfach ein Baum mit grünen Blättern ist, unter dem man im Herbst Laub fegen muss und unter dem Ende Mai rosa-brauner Matsch aus Blütenblättern liegt? Jetzt, im April, strahlen die Magnolien in aller Pracht. Tulpenbäume werden sie auch genannt und der holländische Singer-Songwriter Dany Vera besingt den Magnolienbaum in seinem Stück „Roller coaster“.

You don’t have to slow me down
‚Cause I will always be around
I will find my way back home
Where magnolia grows, where magnolia grows…

Ein wunderschönes Liebeslied, eine Ode an das Leben an sich. Hätte ich einen Garten, und das werde ich eines Tages, dann hätte ich einen Magnolienbaum. Ich kehrte im Mai den rosa-braunen Blütenmatsch, ich kehrte im Herbst die Blätter. Und ich feierte im April die Lebe zum Leben.