Sommer

Wusstet Ihr, dass Kiefernzapfen, die auf dem Waldboden liegen, sich bei Regen schließen? Sie werden wieder ganz klein und schmal. Und wenn die Sonne sie trocknet, öffnen sie sich wieder.

Und wusstet Ihr, dass der Rote Fingerhut, Digitalis Purpurea, ein starkes Herzmittel ist, das schon vor Zeiten gegen Herzinsuffizienz, gegen Ödeme aber auch gegen den bösen Blick angwandt wurde?

Und wusstet Ihr auch, dass es einen Heidelbeerkamm gibt, mit dem man die kleinen blauen Beeren aus den niedrigen Büschen ernten kann? Man streift ihn durchs Gebüsch und peng: Hat man eine Handvoll Beeren. Denn – und das wusstet Ihr sicher – Heidelbeeren pflücken ist sehr mühselig, denn für ein paar Gläser Marmelade braucht man ein ganzes Kilo, und das ist viel!

Der Sommer schreitet voran, bald schon ist die erste Gerste reif, die sich unter dem letzten Regen beleidigt ins Feld gelegt hat und nun erst wieder aufstehen muss, bevor der Bauer mit seinem Mähwerk kommen und sie dreschen kann.

Die Kitze der Rehe sind nun schon so groß, dass sie weglaufen, wenn Gefahr droht, ich habe es selbst gesehen. Sie staksen auf hohen Beinen durch das Gras und rufen nach der Mutter, die mit einem Bellen antwortet.

Fein ist der Sommer, voller Licht und Düfte und Farben, und mein kleines, großes, jüngstes Kind ist neulich zum ersten Mal in ihrem Leben vom Dreimeterbrett gesprungen.

Ich tanke Wärme und Sonne und kann mich nicht satt fühlen am Sommer, an seinen langen Tagen, dem Weißwein, den rot lackierten Zehnägeln und dem Duft nach Seewasser und Sonnenmilch.