Alpenmilch

Das ist der wilde Frauenmantel

Es gibt das wirklich: Braune Kühe, die gemütlich auf Almwiesen grasen. Erstaunlich, mit welcher Gelassenheit sie die steilen Hänge erklimmen. Wenn sie da so stehen und fressen, frage ich mich, ob sie vielleicht zwei lange und zwei kurze Beine haben. Wie kann man so dastehen an so einem Hang?

Wir sind die kurvigen Straßen hinterm Haus hinaufgelaufen, die voller Schiefergeröll sind. Die vielen Schichten Gestein liegen hier einfach so auf den Wegen, sie ragen aus den Hängen und die Kinder sammelten dünne Schieferplättchen ein. Es war ein steiler Weg bis hoch zur Alm, wir alle atmeten schneller. Ist ja auch Bergluft hier, mit weniger Sauerstoff.

Irgendwann hörte ich die Glocken der Kühe, ja wirklich, die Kühe haben hier Glocken am Hals. Und es scheint sie gar nicht zu stören, dieses andauernde Geglocke. Sie fraßen zufrieden, und zwar nur das Allerfeinste: Süßen Klee und Löwenzahn und Frauenmantel. Die Natur ist ist erstaunlich abwechslungsreich und ich hatte grosse Lust, Kräuter zu sammeln. Ich habe mir eine App heruntergeladen, um die vielen, vielen Pflanzen zu bestimmen: Weidenröschen, Frauenmantel, Johanniskraut, Wundklee und Alpendistel. Die hübschen Blüten des Sumpfherzblatt, wilde Margeriten und Glockenblumen leuchten aus den Wiesen. Himbeeren, Heidelbeeren und Brombeeren wachsen am Wegesrand, ich hielt immer wieder an, um zu naschen.

Als wir auf der Alm ankamen, war der Bauer gerade fertig mit dem Melken und ich durfte aus einem kleinen Eimer ein paar Schlucke euterwarme Milch trinken. Der weiche Geruch nach Tier, die Waerme, die sahnige Konsistenz: Ich erinnerte mich an meine Kindheit, als ich von einer Nachbarin warme Ziegenmilch zu trinken bekam.

Zwei Hunde bewachten die Kühe dort oben, nach dem Melken sprangen sie hinter dem Tank auf den Pickup und fuhren mit dem Bauern hinunter ins Tal, wo wir am Morgen frische Milch für unseren Kaffee kaufen werden.