Canoyns durchqueren

Ich habe dem Tod mal wieder ins Gesicht gesehen. Ich hasse Abenteuer, wirklich. Aber ich habe einen Liebsten, der zum Abenteurer geboren ist und der extra für mich manchmal Baby-Abenteuer macht, damit ich ab und zu die Nase aus meinen Büchern nehme.

So hat er für unseren Urlaub eine Tour durch eine tiefe, wunderschöne Schlucht gebucht, durch deren Sohle sich ein Flüsschen seinen Weg bahnt. Und ich, weil ich neugierig bin und nicht immer nur Stubenhocker sein will, bin mitgefahren.

Zuerst haben wir uns alle in enge Neoprenkombis gequetscht, puh, das war schwer! Und das Laufen damit ist auch nicht lustig, ich fühlte mich ein bisschen wie ein Einsiedlerkrebs in seiner starren Schale. Und zwar kurz vorm Auszug in die naechstgroessere Schnecke. In dieser Kleidung sind wir den Rand der Schlucht entlanggeklettert, immer höher und und höher. Wir keuchten (also, in Wirklichkeit keuchte nur ich) und kletterten und schwitzten. Oben angekommen: Der Eingang zur Schlucht. Felsen, bemooste Baumstämme, alles grüngrau und in Becken und Kaskaden hellblaugrün plätscherndes kaltes, klares Gebirgswasser. Darueber ein schmaler Streifen blauer Himmel. Wunderschön.

Theo, unser Guide, war freundlich, erstaunlich muskulös und blondgelockt. Ich möchte nicht wissen, wie viele junge Damen ihm im Laufe einer Saison verfallen. Jedenfalls erklärte uns Theo, wie wir uns verhalten sollten, überprüfte noch mal den Sitz von Helm und Geschirr und ich dachte immer nur: Nicht nachdenken, es wird schon gutgehen.

Ich will es kurz machen: Wir rutschten durch schmale Röhren, die Mutigen von uns (nicht ich!) sprangen aus 6 Meter Höhe in ein Bassin, wir seilten uns aus 16 Metern eine steile Felswand hinab und ich hatte sehr viel Angst, als das Wasser von oben über meinen Helm prasselte und dann von hinten in meinen Anzug lief. Gleichzeitig war es aber einfach großartig, in dieser wunderschönen Umgebung herumzuklettern, zu schwimmen, zu rutschen. Und es war gut, meine Grenzen zu spüren und nach der Überwindung der Felswand zu denken: Hey, war nicht schlimm! Ich weiß jetzt, dass ich einen Canyon durchqueren kann und dass ich mich an einer Felswand runterlassen kann, wenn ich das entsprechende Geschirr anhabe.

Unten angekommen: Hunger. Und Erleichterung und Dankbarkeit für das schöne Erlebnis. Quelle aventure! Welch Abenteuer!