Altes Land

Ich war am Wochenende mal wieder im Alten Land. Anders als im Wendland mit seinem struppigen Wiesen, hutzeligen Dörflein und den tiefen, bunten Wäldern ist rund um Buxtehude alles kultiviert. Kein Quadratzentimeter bleibt ungenutzt. Häuser, Gärten, Straßen und vor allem: Obstplantagen.

In langen Reihen stehen Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume links und rechts der kleinen Versorgungswege, über die ich radele, wenn der Hund mal frische Luft braucht. Und die Bäume sind voll! Sie tragen eine verschwenderische Fülle aus grünen, roten, gelben Äpfeln, sie tragen knackige Birnen und schöne süße Pflaumen.

Mit der Landwirtschaft von einst habe das allerdings inzwischen recht wenig zu tun, sagt Obstbauer Herbert Meyer, der mit seiner Tochter auf dem Schafmarkt in Buxtehude sein Obst verkauft. „Die Großvermarkter haben inzwischen viele Flächen gekauft und machen ihr Obst einfach selber“, weiß er zu berichten. Und wirklich: Fast industriell mutet die Obstproduktion an, mit den auf Ertrag gezüchteten Mini-Bäumchen, die sich im Akkord abernten lassen. Dennoch scheinen die Beiden ihre Arbeit zu lieben, sie verkaufen gut gelaunt ihre „Delbar“-Äpfel, knackig, rotbackig und so lecker.

Leider, so weiß es Herbert Meyer zu berichten, kommen am Wochenende gern die Touristen in die Plantagen und füllen sich leckere Äpfel in ihre Satteltaschen. Und leider vergessen sie, vorher zu fragen oder später zu bezahlen für ihre Beute. Sehr unangenehm sei das, sagen Meyer und seine Tochter und erzählen, dass manche Obstanbauer ihre Flächen bereits eingezäunt hätten.

Ich hingegen fuhr kilometerweit durch freie Plantagen und bekam sogar einen Apfel geschenkt. Auf meiner täglichen Rundstrecke liegt auch das Esteburg Obstbauzentrum Jork. Hier beraten, forschen und entwickeln der Obstbauversuchsring des Alten Landes, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Öko-Obstbau Norddeutschland. Unter einem Dach arbeiten also konventionelle und Bio-Landwirtschaft einträglich zusammen. Das geht!

Ich bin von meinem Marktbesuch mit einer großen Tüte Äpfel, Pflaumen und Birnen nach Hause gefahren. Die werden nun im Wendland genüßlich verzehrt.