Transat

Es ist Herbst, heute Nacht hat der Sturm den Bambus auf meiner Terrasse umgeworfen und alle Blätter, die mein Nachbar sorgfältig auf einen Haufen geharkt hatte, wieder auseinander geweht. Dazu Regen, Regen, Regen. Der Wald freut sich: Wenn ich durch das Moos laufe, bilden sich um meine Füße kleine Pfützen. Der Forst füllt seine Reservoirs.

Bei diesem Wetter startet heute im französischen Le Havre ein Segelrennen über den Atlantik. Die Rallye „Transat Jaques Vabre“ ist in 15. Auflage dabei, mutige Frauen und Männer an ihre Grenzen zu bringen. Unter den Teilnehmern sind Vendée-Globe-Segler und überhaupt lauter mutige Menschen, denen es nichts ausmacht, nie mehr als 20 Minuten Schlaf am Stück zu bekommen, ständig nass zu sein und bei Nacht am Steuer zu stehen und in die Dunkelheit zu starren.

Nur Wasser und Himmel und eine Yacht von etwa 18 Metern Länge. 29 Meter hoch ist der Mast eines solchen Bootes, und ich bin voller Ehrfurcht, wenn ich mir vorstelle, dass jemand da hochklettern muss, wenn irgendwas in der Takelage nicht stimmt. Bis nach Martinique geht es in in einem wilden Ritt in 15 bis 18 Tagen, und die Segler haben Proviant für drei Wochen dabei, man weiß ja nie. Zum Glück wird es wohl eher kein wurmzerlöcherter Schiffszwieback sein, aber große Küche wird es nicht geben an Bord so einer Imoca-Yacht.

Ich habe überhaupt keine Ahnung vom Segeln, ich glaube, ich bin erst einmal in meinem Leben gesegelt. Das war an einem windigen, regnerischen Tag auf der Kieler Förde. Wir hatten einen großen Katamaran gemietet und während alle Freunde unter Deck saßen und Küstennebel tranken, stand ich neben dem Skipper und guckte mit zugekniffenen Augen in den Sprühregen. Ich habe diesen Tag in sehr guter Erinnerung. Unvorstellbar aber die Vorstellung, über den Atlantik zu segeln, allein. Das können nur echte Haudegen, Frauen und Männer ohne Furcht, mit viel Wissen und Gespür für die unberechenbaren Elemente Wasser und Luft.

Allzeit gute Fahrt, Ihr Weltentdecker und Abenteurer, Mast und Schiffbruch und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!