Januar ist so ein Scheiß-Monat

Ja, man soll keine Schimpfwörter benutzen, aber mal ehrlich: Steuer und Versicherungen werden fällig und nach Weihnachten mit drei Kindern ist der Geldbeutel einfach leerer als leer. Und nun fällt erstmal das Wohngeld weg. Das ist doch Scheiße.

Ich will Euch hier gern einmal meine Verhältnisse erläutern: Ich schreibe, das ist meine Berufung. Mein Märchenbuch ist letztes Jahr erschienen, dazu der Blog und ein paar Artikel hier und da. Und ich sitze an einem Roman und komme mir damit sehr mutig vor.

Zum Geldverdienen und weil es mir immer wieder schöne Worte in die Tasche spült (einhausen! Wendenknüppel!) arbeite ich beim Holzvolk als Bürokraft. Dann bekomme ich noch Kindergeld und, weil der deutsche Staat ein guter ist, auch noch Wohngeld. Das rettet mir, mit Verlaub, den Hintern, denn von einer Teilzeitstelle in einer kleinen Tischlerei und dem Kindergeld werden wir nicht satt und von der Miete wollen wir gar nicht erst anfangen. Danke, dass ich diese Unterstützung bekomme, sonst müsste ich, wie die armen alleinerziehenden Mütter in den amerikanischen Filmen in einem Trailer irgendwo in der Einöde wohnen.

Nun ist leider meine Wohngeldbewilligung im Dezember ausgelaufen. Kein Problem, das Amt hat mir einen Folgeantrag geschickt und mich aufgefordert, diesen bis Mitte Dezember einzureichen, damit eine (ich zitiere) „lückenlose“ Zahlung des Wohngeldes gewährleistet werden könne. Natürlich habe ich eilig, wenn auch ächzend, alle Bescheinigungen zusammengetragen und am 7. Dezember lag mein Antrag auf weitere Zahlung von Wohngeld bei der Wohngeldstelle in Lüchow vor.

Leider war trotzdem Anfang Januar kein Wohngeld auf meinem Konto. Die Miete geht natürlich trotzdem per Dauerauftrag vom Konto ab und dann noch die Versicherung, die Steuern… Kurzum: Ich bin mehr als pleite und das bereitet mir schlaflose Nächte. Nun haben die Kinder ja zum Glück einen liebenden Vater, der sie durchfüttert, wenn bei mir die Schränke leer sind und ich habe eine liebe Mutter, die mir von ihrer schmalen Rente ein paar Taler leiht. Aber trotzdem: Das ist Mist.

Der nette Sachbearbeiter der Wohngeldstelle berichtete am Telefon, dass er allein in der Abteilung zurückgeblieben sei. Seine Kollegen: Krank, im Urlaub, Überstunden abbummeln. Und er kommt nicht zum Arbeiten, weil ständig Menschen mit Geldsorgen bei ihm anrufen und fragen, warum das Wohngeld nicht auf dem Konto ist. Und weil das so ist, wird auch im Februar kein Wohngeld auf meinem Konto sein. Man ist in der Wohngeldstelle bei der Bearbeitung der Anträge aus dem Monat Oktober. Oktober!

Deutschland ist ein reiches Land, niemand wird verhungern. Aber das nächtliche Herumwälzen und sich fragen, ob der Vermieter wohl die Miete einen oder zwei Monate stunden kann und das sich überlegen, was wohl günstige Gerichte sind, die man in den nächsten Wochen kochen könnte (Kartoffeln, Nudeln, Mehlspeisen überhaupt, Kohl und Karotten), das ist unerfreulich und auch ein bisschen demütigend.

Ich bin dankbar, dass ich liebe Menschen um mich habe, die mich unterstützen und ich rate meinen Kindern, einen Beruf zu ergreifen, bei dem sie richtig dick Asche verdienen.